
Bodies of Disorder: Gender and Degeneration in Baroja and Blasco Ibez
Die (sozialen, politischen und medizinischen) Degenerationsdiskurse erreichten in den 1890er Jahren in ganz Europa ihren Höhepunkt und postulierten den moralischen und biologischen Verfall, ja sogar die Sterilität der europäischen Nationen. Im Spanien des frühen 20.
Jahrhunderts nahmen die Romane von P o Baroja und Vicente Blasco Ib ez die kulturellen Mythen der Degeneration, die von einflussreichen europäischen Theoretikern wie B n dict Morel, Cesare Lombroso und Max Nordau genährt wurden, sowohl auf als auch unterliefen sie. Vor dem Hintergrund der weit verbreiteten Ängste vor Reproduktion und nationaler Dekadenz spürt dieses interdisziplinäre Buch der kreativen Spannung zwischen den literarischen Darstellungen des degenerierten weiblichen Körpers und der Konsumfähigkeit der Leserinnen nach. Durch die Gegenüberstellung von Geschlechterparadigmen und Degenerationismus bei Baroja und Blasco Ib ez stellt Bodies of Disorder die etablierten Hierarchien von kanonischer und populärer Fiktion in Frage.
Katharine Murphy setzt der öffentlichen Verachtung Barojas für seinen valencianischen Zeitgenossen entgegen, dass Blasco der so genannten „Generation von 1898“ deutlich näher steht, als bisher angenommen wurde. Dr.
Katharine Murphy ist Senior Lecturer für Hispanistik an der Universität Exeter. Sie ist Autorin von Re-reading P o Baroja and English Literature (2004) und hat zahlreiche Publikationen über vergleichende Literatur und die spanische Moderne veröffentlicht.