
Cultic Spiritualization: Religious Sacrifice in the Dead Sea Scrolls
Seit der Entdeckung der Schriftrollen vom Toten Meer im Jahr 1947 haben ihre materiellen Zeugnisse und ihr eindrucksvoller Inhalt die religiöse Vorstellungskraft von Wissenschaftlern und der breiten Öffentlichkeit gleichermaßen beflügelt. Das ausgegrabene Material wird als eine der größten archäologischen Entdeckungen des 20.
Jahrhunderts gepriesen und hat das weite Feld der bibelbezogenen Wissenschaft erhellt und neu belebt. Bislang wurde der Untersuchung der materiellen Funde im Zusammenhang mit religiösen Opfern nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. In dieser Studie untersucht Jamal-Dominique Hopkins die Spuren des Lebens und der Archäologie von Qumran sowie die in den nichtbiblischen sektiererischen Schriftrollen vom Toten Meer vertretenen Ansichten zum Thema Opferung.
Hopkins untersucht die historische und ideologische Entwicklung der jüdischen Priesterbewegung im Zusammenhang mit den Schriftrollen und konzentriert sich dabei vor allem auf die Sichtweise der späteren Ableger der Bewegung, der Qumran-Gemeinschaft. Diese panoramische Untersuchung des Opfers in den Schriftrollen vom Toten Meer bietet eine historische Rekonstruktion dieser Hauptgemeinschaft und ihrer fesselnden Geschichte.
Hopkins zeigt die Entwicklung einer Gemeinschaft von der vor-qumranischen bis zur qumranischen Siedlungsphase, die sich für eine Spiritualisierung des Jerusalemer Tempels und der Opferpraktiken entschied. Als Folge der Vertreibung in die Wüste von Qumran und in Ermangelung des physischen Tempels in Jerusalem betrachtete sich diese nomadische Priestergemeinschaft als "Tempel".
Anstelle von Tieropfern brachte die Gemeinschaft durch Gebet und Lobpreis die Frucht ihrer Lippen als alternative Opferform dar. Indem sie die größere Gemeinschaft verließ, wurde diese Qumran-Gemeinschaft zu einer eschatologischen Gemeinschaft, die die Praxis der kultischen Vergeistigung ausübte.