Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 2 Stimmen.
Living Class in Urban India
Viele Amerikaner stellen sich Indien immer noch als ein Land vor, das starr an Kasten gebunden und in Traditionen verhaftet ist, die die soziale Mobilität behindern. In Wirklichkeit ist Klassenmobilität seit langem ein Ideal, und heute verändert die Globalisierung die Wahrnehmung der Klasse durch die indischen Bürger radikal.
Living Class in Urban India untersucht eine Nation im Wandel, die mit Medienbildern von Konsumenten der Mittelklasse bombardiert wird, während sie gleichzeitig die Strömungen des Spätkapitalismus und die daraus resultierenden Ungleichheiten bewältigt. Die Anthropologin Sara Dickey gibt der Klassenfrage in Indien ein menschliches Gesicht, indem sie vier Menschen vorstellt, die in der "zweitklassigen" Stadt Madurai leben: einen Auto-Rikscha-Fahrer, einen Grafikdesigner, einen Englischlehrer mit hohem Status und eine Hausangestellte. Auf der Grundlage von mehr als dreißig Jahren Feldforschung untersucht sie, wie die Klasse sowohl durch subjektive Wahrnehmungen als auch durch objektive Bedingungen bestimmt wird, und dokumentiert die greifbaren alltäglichen Erfahrungen der Bewohner von Madurai mit der Klasse, während sie gleichzeitig deren langfristige Auswirkungen verfolgt.
Durch die Analyse der miteinander verflochtenen symbolischen und wirtschaftlichen Bedeutung von Phänomenen wie Hochzeitszeremonien, religiösen Praktiken, Philanthropie und Kreditvereinbarungen zeigt Dickey in ihrer Studie die materiellen Folgen lokaler Klassenidentitäten auf. Gleichzeitig unterstreicht dieses anmutig geschriebene Buch das ergreifende Streben nach Würde im Angesicht moralisierender Klassenstereotypen.
Anhand ausführlicher Interviews untersucht Dickey die Redewendungen und Gemeinplätze, die von den Bewohnern verwendet werden, um die Klassenungleichheit zu rechtfertigen und gelegentlich auch zu unterlaufen. Dabei zeigt Living Class in Urban India die unzähligen Möglichkeiten auf, wie der Klassenstatus interpretiert und dargestellt wird, eingebettet in alles, von der Handynutzung bis zum religiösen Gottesdienst.