
Maidanets'ke: Development and Decline of a Trypillia Mega-Site in Central Ukraine
Am Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. entstanden in der Waldsteppe nördlich des Schwarzen Meeres einige der größten Siedlungen dieser Zeit. Die größten dieser Siedlungen wurden zwischen dem südlichen Bug und dem Dnjepr gefunden. Dort liegen sie nur wenige Dutzend Kilometer voneinander entfernt und sind vermutlich teilweise gleichzeitig entstanden. Die Trypillia-"Megastätten" erreichten eine Größe von bis zu 320 Hektar mit bis zu 3000 Gebäuden an einem Ort. In ihrer Blütezeit lebten bis zu 11. 000 Menschen in einer dieser Siedlungen gelebt haben können.
Doch wie kamen die Menschen in diesen Trypillia-"Megastätten" mit mehreren tausend Wohnungen zusammen? Wie lange waren solche Orte bewohnt, und wie viele Menschen lebten dort? Waren diese Siedlungen die ersten Städte, die der mesopotamischen Entwicklung vorausgingen? Um diese Fragen zu beantworten, werden in diesem Buch die Ergebnisse der Untersuchungen an der "Megastätte" Maidanets'ke vorgestellt.
Bis heute ist Maidanets'ke die komplexeste dieser riesigen Stätten und auch eine der am besten erforschten. Auf der Grundlage neuer Ausgrabungen durch internationale Teams werden die Geschichte der Siedlung, ihre Struktur und der regionale Kontext untersucht. Die Ausgrabungsergebnisse mit Befunden wie einer Keramikproduktionsstätte, einer mit einem Damm versehenen Anlage und mehreren Behausungen werden ausführlich vorgestellt. Ein umfangreiches Radiokohlenstoffdatierungsprogramm, das an verschiedenen Teilen der Stätte durchgeführt wurde, ergab in Kombination mit Keramikuntersuchungen mehrere Phasen einer kontinuierlichen Besiedlung zwischen 3990-3640 cal BCE. Anhand der Anzahl der zeitgenössischen Strukturen wird erstmals die Demographie einer "Mega-Site" im Detail rekonstruiert.
Gezielte geophysikalische Untersuchungen im Kernbereich des Phänomens "Megastätte" zeigen, dass außergewöhnliche unbewohnte Gebäude und sogenannte Megastrukturen sowohl in größeren als auch in kleineren Siedlungen regelmäßig vorkommen. Insgesamt scheint das Siedlungssystem von Trypillia skalierbar zu sein, wobei kleine Standorte strukturell den größeren ähnlich sind. Da es außer der Größe keine eindeutigen Unterschiede im Siedlungsmuster gibt, wird der urbane Charakter der "Megastätten" in Frage gestellt.