
Marie NDiaye: Inhospitable Fictions
In den fiktionalen Werken von Marie NDiaye (1967-) geht es immer wieder um die Frage des Willkommens des Fremden. NDiayes Faszination für ein Spektrum von Außenseiterfiguren und für die vielfältigen, oft subtilen Praktiken, die soziale Gruppen als abgegrenzte Einheiten schaffen und aufrechterhalten, führt zu detaillierten und beunruhigenden Darstellungen nicht der Gastfreundschaft, sondern der Mechanismen und Rituale der Ablehnung.
Shirley Jordans fundierte Analyse von NDiayes Romanen, Theaterstücken und Kurzgeschichten, die sich mit der kritischen Theorie der Gastfreundschaft in allen Disziplinen auseinandersetzt, untersucht die Tropen der Ungastlichkeit, um die sich das Werk der Schriftstellerin gruppiert, und erforscht die ethische Bedeutung eines Korpus, in dem Gemeinschaften, Umgebungen und Räume immer wieder durch Ungastlichkeit verdorben werden. NDiaye entwickelt eine phantastische Anthropologie: eine, die durch ihre anhaltende Aufmerksamkeit für die Nichtbeachtung der Regeln der Gastfreundschaft einen Fokus für die Debatte über Zugehörigkeit in einer postkolonialen Welt bietet.
Shirley Jordan ist Professorin für Französischstudien an der Universität Newcastle.