Bewertung:

Das Buch erörtert die Dynamik des Wettbewerbs und der Zusammenarbeit zwischen Marktteilnehmern, insbesondere an der New Yorker Börse und auf den Rohstoffmärkten. Es bietet zwar einen guten Überblick, lässt aber an Tiefe und Detailreichtum zu wünschen übrig, insbesondere im Hinblick auf das Konzept des Opportunismus und die alltäglichen Interaktionen zwischen den Marktteilnehmern.
Vorteile:Bietet einen guten Überblick über Wettbewerb und Zusammenarbeit auf den Märkten; enthält persönliche Geschichten.
Nachteile:⬤ Fehlt eine eingehende Erörterung des Opportunismus
⬤ unzureichende akademische Strenge
⬤ bietet nicht genügend Details zu den täglichen Interaktionen zwischen den Marktteilnehmern.
(basierend auf 2 Leserbewertungen)
Making Markets: Opportunism and Restraint on Wall Street
Nach den millionenschweren Skandalen, die Michael Milken, Ivan Boesky und Co. ausgelöst haben, scheint die Wall Street die Provinz des zügellosen Individualismus zu sein, der an den äußersten Grenzen von Eigennutz und Gier operiert. Mitchel Abolafia vertritt jedoch die Ansicht, dass die Charaktere, die die Finanznachrichten dominieren, die wahre Kultur der Straße verkennen.
Making Markets, eine Ethnographie der Wall-Street-Kultur, bietet ein komplexeres Bild davon, wie der Markt und seine Bewohner funktionieren. Märkte sind nicht einfach nur Massen von Individuen, die unabhängig voneinander streben, sondern erscheinen hier als sozial konstruierte Institutionen, in denen das Verhalten der Händler in einem Netz von Bräuchen, Normen und Kontrollstrukturen verankert ist. Innerhalb dieser Strukturen sehen wir die Handlungen, die zu den Debakeln von Drexel Burnham und Salomon Brothers führten, nicht als bizarre Entgleisungen, sondern als bloße Übertreibungen eines auf der Straße akzeptierten Verhaltens.
Abolafia untersucht drei Subkulturen, die in der Welt der Wall Street koexistieren: die Aktien-, Anleihen- und Terminmärkte. Anhand von Interviews, Anekdoten und der geschickten Analyse des Autors sehen wir, wie Händler und "Spezialisten" der New Yorker Börse die ständige Spannung zwischen kurzfristigem Eigeninteresse und langfristiger Selbstbeschränkung aushandeln, die ihre jeweiligen Gemeinschaften kennzeichnet - und wie die Versuchung zum Exzess die Marktaktivitäten antreibt. Wir sehen auch die komplexen Beziehungen zwischen diesen Marktgemeinschaften - warum zum Beispiel die NYSE-Spezialisten die Freiheiten ablehnen, die den außerbörslichen Anleihe- und Futures-Händlern gewährt werden. Making Markets zeigt uns, dass es sich bei dem, was die Wall Street antreibt, nicht um einen grundlegenden menschlichen Trieb oder Instinkt handelt, sondern um Strategien, die im Kontext sozialer Beziehungen, kultureller Idiome und Institutionen umgesetzt werden - ein Zyklus, der sich zwischen Phasen ungezügelten Eigeninteresses und kollektiver Selbstbeschränkung bewegt.