Bewertung:

Das Buch bietet eine detaillierte Untersuchung von Martin Luthers Antisemitismus, wobei sowohl seine Beiträge zum Christentum als auch die beunruhigenden Aspekte seiner Ansichten über Juden untersucht werden. Gritsch bietet eine ausgewogene Perspektive, die Luthers Leistungen anerkennt, aber auch seine Schwächen kritisiert, insbesondere seinen späten Wechsel zu antisemitischer Rhetorik. Der Text ist informativ und ermutigt die Leser, die historischen Implikationen von Luthers Handlungen und Gedanken im Kontext ihrer Zeit zu verstehen.
Vorteile:Das Buch ist gut recherchiert und wissenschaftlich fundiert und bietet eine gründliche Analyse von Luthers Antisemitismus. Gritschs ausgewogener Ansatz ermöglicht es den Lesern, Luthers Beiträge zu würdigen und gleichzeitig seine Schwächen kritisch zu beleuchten. Der Autor bietet Einblicke in den historischen Kontext des antisemitischen Klimas, in dem Luther lebte. Das Buch ist sehr informativ und regt zum Nachdenken an, was es zu einer lohnenden Lektüre macht, um sowohl Luther als auch die Auswirkungen seiner Ansichten zu verstehen.
Nachteile:Der Inhalt des Buches kann verstörend und möglicherweise beunruhigend für die Leser sein, da es sich mit den dunkleren Aspekten von Luthers Erbe auseinandersetzt. Für manche mag das Buch aufgrund der schweren Themen, die darin behandelt werden, schwer zu lesen sein. Kritiker könnten der Meinung sein, dass Gritsch in seiner Darstellung Luthers zu großzügig ist und die Folgen von Luthers antisemitischen Schriften nicht vollständig berücksichtigt.
(basierend auf 9 Leserbewertungen)
Martin Luther's Anti-Semitism: Against His Better Judgment
In diesem Buch stellt sich Eric W. Gritsch, ein Lutheraner und angesehener Lutherforscher, frontal der eklatanten Hässlichkeit von Martin Luthers Antisemitismus und beschreibt Luthers Weg von anfänglichen Versuchen, Juden zu missionieren, bis hin zu einer entsetzlich rassistischen Position, die er offenbar bis zu seinem Tod vertrat.
Gritsch legt die textlichen Belege für Luthers virulenten Antisemitismus umfassend dar und zeichnet die Entwicklung von Luthers Denken in Abhängigkeit von seinen Erfahrungen, äußeren Einflüssen und theologischen Überzeugungen nach. Indem er mit jedem Schritt eine größere drohende Gefahr aufzeigt, schreitet Martin Luthers Antisemitismus immer weiter voran, bis das ganze Ausmaß von Luthers Rassismus sichtbar wird. Gritschs schonungslose Analyse beschreibt auch die Auswirkungen von Luthers ungeheuerlichen Worten auf nachfolgende Generationen und ordnet Luther in die lange Geschichte des Antisemitismus in Europa ein.
Durchgehend widersteht Gritsch jedoch der Versuchung, Luther zu dämonisieren oder zu entlasten. Vielmehr werden die Leserinnen und Leser Luthers Fehler als Glieder einer Kette erkennen, die ihn immer weiter von einer Haltung des Respekts vor den Juden als dem biblischen Volk Gottes wegführte. Gritsch stellt Luther als ein berühmtes Beispiel für die intensive Auseinandersetzung mit der Dauerfrage der christlich-jüdischen Beziehungen dar. Es ist eine große historische Tragödie, dass ausgerechnet Luther dem Antisemitismus zum Opfer fiel - wenn auch wider besseres Wissen.