
Marx and Latin America
In einem Werk, das sich auf Marx' harte Biografie von Simon Bolivar konzentriert, untersucht Jose Arico, warum Lateinamerika scheinbar aus Marx' Denken „ausgeschlossen“ wurde, und stellt die Behauptung in Frage, dies sei Ausdruck eines „eurozentrischen“ Vorurteils.
Arico zeigt, wie die Feindseligkeit des deutschen Denkers gegenüber dem Bonapartismus und Autoritarismus, die er im Liberator erkannte, seine Haltung gegenüber dem Kontinent und der Bedeutung seiner Unabhängigkeitsprozesse prägte. Während er Marx' Fehleinschätzung der lateinamerikanischen Realitäten kritisiert, zeigt Arico zeitgleiche, gegenläufige Tendenzen in Marx' Denken auf, einschließlich seiner Einschätzung der revolutionären Möglichkeiten anderer „peripherer“ außereuropäischer Gesellschaften.
So legt Arico überzeugend dar, dass Marx' Werk kein Dogma des linearen „Fortschritts“ war, sondern ein lebendiges, widersprüchliches Gedankengebäude, das sich ständig weiterentwickelt.