
Melodrama, Masculinity and International Art Cinema
Bislang wurde Männlichkeit in der Filmwissenschaft eher als monolithische Kategorie dargestellt, die den Interessen eines hegemonialen, normativen Patriarchats dient. Dieses Buch zeigt, wie der Arthouse-Film in Form des persönlichen Kinos und seiner Ausnutzung des melodramatischen Modus eine andere Geschichte erzählt, indem er eine Vision von Männlichkeit präsentiert, die sexuell fließend, fragmentiert, instabil und oft bis zum Punkt der Lähmung entmündigt ist und nicht nur von innen, sondern auch durch äußere Umstände untergraben wird.
Hollywood bot in Form von "männlichen Heulfilmen" erste Einblicke in diese scheiternde Männlichkeit, aber erst mit der Blüte des Kunstfilms nach dem Zweiten Weltkrieg und seiner anschließenden Bewegung in die "Indie"-Wellen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts wird das Kino seinem Potenzial, als Vehikel für die Erforschung des Innenlebens von Männern zu dienen, tiefer gerecht und entwickelt das, was man als "männliches Melodram" bezeichnen könnte, das Pendant zum Frauenfilm.
Der vorliegende Band enthält eine Reihe von Aufsätzen, die die Rolle des Melodrams in einer Reihe von Filmen, die in der Tradition des Kunstkinos stehen und die subjektive Erfahrung eines männlichen Protagonisten erforschen, neu bewerten und damit die Entstehung eines Genres ankündigen, das sich im zeitgenössischen Kino immer weiter ausgebreitet hat. Während diese Filme von so bedeutenden Autoren wie Vittorio De Sica, Satyajit Ray, Vincente Minnelli, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman, Franois Truffaut, Jacques Demy, Rainer Werner Fassbinder und Luca Guadagnino häufig als herausragende Beispiele für Kunstfilme diskutiert wurden, sind sie bisher - mit wenigen Ausnahmen - nicht im Hinblick auf ihre Darstellung von Geschlecht und Subjektivität untersucht worden, was eine Lücke in den Darstellungen der gefilmten Männlichkeiten hinterlassen hat.