Bewertung:

Das Buch ist ein ergreifender Erinnerungsbericht von Tamara Petkewitsch, in dem sie ihre Erfahrungen während der stalinistischen Säuberungen und ihr Leben im Gulag schildert, wo sie Schauspielerin wurde. In diesem Buch werden Themen wie persönliche Widerstandsfähigkeit, politischer Terror und die Wirkung von Kunst in schwierigen Situationen miteinander verbunden. Die Erzählung ist leicht zugänglich und doch tief bewegend, da sie sowohl die psychologischen als auch die historischen Aspekte des Lebens im Gulag erforscht.
Vorteile:⬤ Tiefgründige Erforschung des persönlichen Charakters inmitten extremer Widrigkeiten.
⬤ Der zugängliche und fesselnde Schreibstil macht es schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
⬤ Reichhaltiger historischer Kontext und detaillierte Beschreibungen des täglichen Lebens in den 1930er Jahren und in den Lagern.
⬤ Bietet eine einzigartige weibliche Perspektive auf die Gulag-Erfahrung und die psychologischen Auswirkungen von Stalins Herrschaft.
⬤ Hebt die Unverwüstlichkeit des menschlichen Geistes und die Macht der Kunst hervor.
⬤ Erfordert einige Vorkenntnisse der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, um das Buch voll zu verstehen.
⬤ Einige Leser könnten den Fokus auf psychologische Erfahrungen gegenüber physischen Gräueltaten als beunruhigend oder weniger beeindruckend empfinden.
⬤ Die Erzählung kann aufgrund ihres Themas schwer und emotional herausfordernd sein.
(basierend auf 5 Leserbewertungen)
Memoir of a Gulag Actress
In einer gekürzten Übersetzung, die die Anmut und Leidenschaft des Originals bewahrt, präsentieren Klots und Ufberg die atemberaubenden Memoiren einer jungen Frau, die im Gulag zur Schauspielerin wurde. Tamara Petkewitsch hatte eine relativ privilegierte Kindheit im schönen, verarmten Petrograd der frühen Jahre des Sowjetregimes, doch als ihr Vater - ein glühender Anhänger des kommunistischen Ideals - verhaftet wurde, wurde die 17-jährige Tamara als "Tochter des Volksfeindes" gebrandmarkt.
Sie hielt die Suche nach ihrem Vater aufrecht, während sie gleichzeitig darum kämpfte, ihre Mutter und zwei Schwestern zu unterstützen, die Schule zu beenden und ein Studium aufzunehmen. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste Petkewitsch die Schule abbrechen und heiratete wider besseres Wissen einen Mann aus dem Exil, den sie in den Reihen des Informationsbüros des NKWD kennen gelernt hatte. Ihre Mutter und eine Schwester kamen bei der Belagerung Leningrads durch die Nazis ums Leben, und Petkewitsch wurde selbst verhaftet.
Mit filmischer Detailgenauigkeit erzählt Petkewitsch von ihren Versuchen, sich gegen die absurden Anschuldigungen zu verteidigen, die ihr eine Verbindung zum Leningrader Terrorzentrum, konterrevolutionäre Propaganda und Antisemitismus vorwarfen und die in einer Verurteilung zu sieben Jahren Zwangsarbeit im Gulag endeten. Petkevich wurde zwar erst Jahre nach ihrer Entlassung aus dem Gulag eine professionelle Schauspielerin, doch sie lernte ihr Handwerk auf den Bühnen der über den Norden der Republik Komi verstreuten Lager. Die Existenz von Häftlingstheatern und Truppen politischer Gefangener wie derjenigen, der Petkewitsch angehörte, ist eine wenig bekannte Tatsache des Lebens im Gulag.
Petkewitschs Darstellung liefert nicht nur einen einzigartigen Bericht aus erster Hand über diese Welt in der Welt, sondern zeugt auch von der Macht der Kunst, buchstäblich Leben zu retten. Während Petkewitsch von einer Form der Härte in die nächste gerät, bewahrt sie sich ihren Lebenswillen und ihre Fähigkeit zu lieben. Die Memoiren einer Gulag-Schauspielerin sind nicht nur ein Bericht aus erster Hand über die Gräueltaten im stalinistischen Russland, sondern auch eine unschätzbare Quelle für Informationen über das tägliche Leben und die Kultur in der Sowjetunion jener Zeit.
Die russische Literatur über den Gulag ist in den Vereinigten Staaten nach wie vor stark unterrepräsentiert, und Petkevichs unvergessliche Memoiren werden einen großen Beitrag dazu leisten, diese Lücke zu schließen. Ergänzt durch Fotos aus dem persönlichen Archiv des Autors ist Petkevichs Geschichte von großem Interesse für den allgemeinen Leser und stellt gleichzeitig eine wichtige Quelle für Historiker, Politologen und Studenten der russischen Kultur und Geschichte dar.