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Michelangelo's Inner Anatomies
Dieses Buch stellt die Vorstellung in Frage, dass Michelangelo, der für seine großartigen Darstellungen des menschlichen Körpers bekannt ist, sich lediglich mit der "oberflächlichen" Anatomie befasste - also mit den Teilen des Körpers, die man von außen sehen kann. Christian K. Kleinbub bietet eine neue Perspektive auf Michelangelos Kunst der menschlichen Figur, indem er die, wie er es nennt, "innere anatomische Poetik" des Künstlers untersucht und diese schönen Körper als Objekte von tiefgreifender intellektueller und spiritueller Bedeutung enthüllt.
Michelangelos innere Anatomie beleuchtet, wie die Renaissance-Diskurse über anatomische Organe und Organsysteme Michelangelos Figuren beeinflussten und die inneren Erfahrungen seiner Subjekte mit physiologischen Prozessen verknüpften, die unter anderem mit Sex, Liebe, Hingabe und Kontemplation verbunden sind. Kleinbub präsentiert neue und überzeugende Interpretationen einiger von Michelangelos bedeutendsten Werken der Malerei, Skulptur, Poesie und Architektur. Die Fallstudien des Buches decken die gesamte Bandbreite von Michelangelos erstaunlichem Schaffen ab - darunter so ikonische Werke wie die Sixtinische Decke, der sterbende Sklave und das Jüngste Gericht - und rekonstruieren, was Michelangelo über die innere Anatomie wusste und wie er dieses Wissen in seinen wichtigsten Werken umsetzte. Auf der Grundlage theologischer, poetischer, philosophischer und wissenschaftlicher Texte schuf Michelangelo eine kontextabhängige, anpassungsfähige Praxis, die je nach den Erfordernissen einer bestimmten Situation oder eines Auftrags angepasst und so manipuliert werden konnte, dass sie wörtlich und im übertragenen Sinne eine Vielzahl von Bedeutungen verkörperte.
Diese gründlich recherchierte und überzeugend argumentierte Studie läutet einen bedeutenden Wandel im Denken über den Körper der italienischen Renaissance ein, der sich nicht nur auf das Werk Michelangelos, sondern auch auf die Epoche insgesamt bezieht.