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Mimetic Lives: Tolstoy, Dostoevsky, and Character in the Novel
Warum wirken manche Figuren so real? Mimetic Lives: Tolstoi, Dostojewski und der Charakter im Roman geht dieser Frage durch die Lektüre der Hauptwerke von Leo Tolstoi und Fjodor Dostojewski nach. Tolstoi und Dostojewski, die auf dem Höhepunkt der russischen Realismus-Tradition arbeiteten, entdeckten beide beispiellose Techniken zur Intensivierung der ästhetischen Illusion, die Chlo Kitzinger als mimetisches Leben bezeichnet - das Gefühl des Lesers, dass eine Figur eine autonome, verkörperte Existenz hat. Gleichzeitig testeten beide Autoren die praktischen Grenzen dieser Illusion, indem sie sie auf die formalen und generischen Grenzen des Romans ausdehnten: Philosophie, Geschichte, Journalismus, Theologie, Mythos.
Anhand neuer Lektüren von Krieg und Frieden, Anna Karenina, Die Brüder Karamasow und anderen Romanen spürt Kitzinger einer produktiven Spannung zwischen mimetischer Charakterisierung und dem Bestreben des Autors, den Leser zu verwandeln, nach. Sie zeigt, wie Tolstoi und Dostojewski lebensechte Charaktere schaffen und warum der Traum, die Illusion des "Lebens" über den Roman hinaus zu tragen, immer wieder scheitert. Mimetic Lives stellt die zeitgenössische Binsenweisheit in Frage, dass Romane uns erziehen, indem sie dauerhafte Modelle für die Perspektiven anderer liefern, in die wir uns dann besser einfühlen können. Aus der Nähe betrachtet, unterstreicht die Kraft des realistischen Romans, eine Welt fesselnder fiktiver Personen zu schaffen, seine Ressourcen als Form des Denkens und seine Grenzen als direkte Quelle geistiger, sozialer oder politischer Veränderung.
Kitzingers klare Kritik stützt sich sowohl auf die russische Literaturwissenschaft als auch auf die Theorie des Romans und wird Wissenschaftler, die in beiden Bereichen arbeiten, faszinieren und herausfordern.