
Medieval Self-Coronations
Auf der Grundlage narrativer, ikonographischer und liturgischer Quellen wird in dieser Studie erstmals systematisch die Geschichte des Rituals der Königskrönung vom alten Persien bis in die Gegenwart nachgezeichnet. Jaume Aurell entlarvt die Vorstellung als Mythos, dass Napoleons Selbstkrönung im Jahr 1804 das erste außergewöhnliche Ereignis war, das mit der weltlichen Tradition der Krönung von Königen durch Bischöfe brach, und zeigt anschaulich, dass Selbstkrönungen nicht so transgressiv oder unkonventionell waren, wie man sich das vorgestellt hat.
Anhand zahlreicher Beispiele königlicher Selbstkrönungen, mit besonderem Augenmerk auf die europäischen Könige des Mittelalters, darunter Friedrich II. von Deutschland (1229), Alfons XI. von Kastilien (1328), Peter IV.
von Aragon (1332) und Karl III. von Navarra (1390), untersucht Aurell anhand von Geschichte, Anthropologie, Ritualstudien, Liturgie und Kunstgeschichte die königlichen Selbstkrönungen als privilegierte Orte, an denen die Grenzen zwischen dem Zeitlichen und dem Geistlichen, zwischen Politik und Religion, zwischen Tradition und Innovation aufeinandertreffen.