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Modernity for the Masses: Antonio Bonet's Dreams for Buenos Aires
Jahrhunderts brachten Migrationswellen Menschen aus der Arbeiterklasse in die Außenbezirke von Buenos Aires. Dies führte zu einem Dilemma: Wo sollten diese unruhigen Bevölkerungsgruppen im Verhältnis zur Raumpolitik der Stadt angesiedelt werden? Könnte der Wohnungsbau als Instrument zur Disziplinierung ihres Verhaltens dienen?
Hier kommt Antonio Bonet ins Spiel, ein katalanischer Architekt, der von den transatlantischen Bewegungen des Modernismus und Surrealismus inspiriert wurde. Ana Mar a Le n folgt Bonets jahrzehntelanger, vom Staat unterstützter Suche nach Wohnraum für die vielfältige und zerrissene Bevölkerung von Buenos Aires. In Zusammenarbeit mit totalitären und populistischen Regimen entwickelte Bonet drei groß angelegte Wohnungsbaupläne, die jeweils mit der Übernahme durch eine neue Regierung wieder verworfen wurden. Doch diese unvollendeten Pläne - Bonets Träume - lehren uns viel über die Beziehung zwischen Modernismus und Staatsmacht.
Modernity for the Masses findet in Bonets Projekten die Diskrepanz zwischen dem Emanzipationsdiskurs der modernen Architektur und der Realität ihrer rationalisierenden Kontrolle. Obwohl er und seine Gönner das Volk ständig verherrlichten und in den Wohnungsbauplänen abbildeten, konsultierte Bonet es nie. Stattdessen erlag er den Ängsten der Behörden und Eliten vor der latenten politischen Macht des Volkes. Bei der sorgfältigen Lektüre von Bonets Werk entdeckt Le n die fortschreitende Auslöschung der psychologischen Sensibilität des Surrealismus, an deren Stelle ein in modernistischem Design umgesetzter Impuls zur Eindämmung der immer mächtiger werdenden Bevölkerung tritt.