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Moments of Silence: The Unforgetting of the October 6, 1976, Massacre in Bangkok
Das Massaker am 6. Oktober 1976 in Bangkok war brutal und gewalttätig und in seiner Grausamkeit beispiellos in der modernen thailändischen Geschichte. Vier Jahrzehnte später hat es keine Untersuchung der Gräueltat gegeben; die Informationen sind nach wie vor begrenzt, die Wahrheit ist unbekannt. Es hat keine kollektive Aufarbeitung der Geschehnisse oder der Verantwortlichen stattgefunden. Die thailändische Gesellschaft weigert sich noch immer, sich mit dieser dunklen Seite ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.
Momente des Schweigens" befasst sich mit dem Schweigen, das das Massaker vom 6. Oktober umgibt. Schweigen, so wird in dem Buch argumentiert, ist kein Vergessen. Vielmehr signalisiert es die Unfähigkeit, zu vergessen oder sich zu erinnern - oder eine gesellschaftlich sinnvolle Erinnerung zu artikulieren. Es ist das "Unvergessen", der Grenzbereich zwischen Erinnern und Vergessen. Der Historiker Thongchai Winichakul, der an den Ereignissen dieses Tages beteiligt war, gibt dem Schweigen eine Stimme und eine Geschichte, indem er die Faktoren hervorhebt, die zum Vergessen inmitten der sich verändernden Erinnerungen an das Massaker in den folgenden Jahrzehnten beigetragen haben. Dazu gehören die sich verändernden politischen Bedingungen und Rahmenbedingungen, der Einfluss des Buddhismus, die königlich-nationalistische Geschichtsdarstellung, die Rolle der Monarchie als moralische Autorität und Schiedsrichter der Gerechtigkeit sowie die weit verbreitete Auffassung, dass die Wahrheit verheerende Auswirkungen auf die thailändische Gesellschaft haben könnte. Das Vergessen wirkte sich sowohl auf die Opfer als auch auf die Täter auf unterschiedliche Weise aus. Es führte zu einer kollektiven falschen Erinnerung an einen Vorfall, der nie stattgefunden hat, aber es führte auch zu einem Schweigen, das mit Hoffnung und Gegengeschichte gefüllt ist.
Moments of Silence erzählt die Geschichte einer Tragödie in Thailand - ihrer Opfer und Überlebenden - und wie das thailändische Volk damit zurechtkam, als es nach der Gräueltat keinen Abschluss geben konnte. Aber es beleuchtet auch das Vergessen als ein Phänomen, das auch in anderen Zeiten und an anderen Orten auftritt, wo autoritäre Regierungen florieren, wo Gräueltaten nicht untersucht werden und wo Zensur (auferlegt oder selbst gesteuert) den öffentlichen Diskurs einschränkt. Die Spannungen, die sich aus der Doppelrolle des Autors ergeben, bieten eine fesselnde Geschichte sowie eine seltene und faszinierende Perspektive. Vor allem aber macht dieses provokante Buch deutlich, dass vergangenes Unrecht einen Platz im öffentlichen Gedächtnis finden muss.