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Nietzsche's Animal Philosophy: Culture, Politics, and the Animality of the Human Being
Dieses Buch untersucht die Bedeutung der menschlichen Animalität in der Philosophie Friedrich Nietzsches und bietet die erste systematische Behandlung des Tierthemas in Nietzsches Gesamtwerk. Lemm argumentiert, dass das Tier weder ein zufälliges Thema noch ein metaphorisches Mittel in Nietzsches Denken ist. Vielmehr steht es im Zentrum seiner Erneuerung der Praxis und Bedeutung der Philosophie selbst. Lemm liefert einen originellen Beitrag zu den laufenden Debatten über das Wesen des Humanismus und seine Zukunft.
Im Zentrum dieser Neuinterpretation steht Nietzsches These, dass das tierische Leben und sein Potenzial für Wahrheit, Geschichte und Moral von einem ständigen Antagonismus zwischen Vergessen (Tierheit) und Erinnerung (Menschlichkeit) abhängt. Diese Beziehung erklärt das Entstehen der Menschheit aus der Animalität als Funktion des Antagonismus zwischen Zivilisation und Kultur.
Indem Lemm den Antagonismus von Kultur und Zivilisation als grundlegend für Nietzsches Konzeption der Menschheit und ihres Werdens ansieht, bietet er einen neuen Zugang zur politischen Bedeutung von Nietzsches Denken. Der Gegensatz zwischen Zivilisation und Kultur eröffnet die Möglichkeit, dass Politik mehr ist als eine Reihe von zivilisatorischen Techniken, die darauf abzielen, die Animalität des menschlichen Tieres zu manipulieren, zu beherrschen und auszuschließen. Indem Nietzsche die tiefsitzenden Verbindungen der Politik mit der Kultur sieht, orientiert er die Politik über die Beherrschung des Lebens hinaus und bietet stattdessen der Animalität des Menschen eine positive, kreative Rolle in der Organisation des Lebens an. Lemms Buch stellt Nietzsche als den Denker einer emanzipatorischen und affirmativen Biopolitik vor.
Das Buch richtet sich nicht nur an Nietzsche-Leser, sondern auch an alle, die sich für das Thema des Tieres in Philosophie, Literatur, Kulturwissenschaft und Kunst interessieren, sowie an diejenigen, die sich für das Verhältnis von biologischem Leben und Politik interessieren.