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North Over South: Northern Nationalism and American Identity in the Antebellum Era
In den meisten Studien zum Nationalismus werden die Vereinigten Staaten seltsamerweise ignoriert oder nur während ihrer kolonialen und republikanischen Periode untersucht. Susan-Mary Grant zufolge war es jedoch der Bürgerkrieg, der die amerikanische Nation wirklich formte, indem er die Staaten ein für alle Mal vereinigte, die Sklaverei abschaffte und das Land auf den Weg in die Moderne brachte. Vor diesem Hintergrund, so Grant, war die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg die entscheidende Phase des amerikanischen Nationalaufbaus. In North Over South bietet Grant eine originelle und kontroverse Interpretation einer viel diskutierten, aber schlecht verstandenen Periode der amerikanischen Geschichte. Trotz der Aufmerksamkeit, die dem Nationalismus des Südens im Allgemeinen zuteil wird, konzentriert sich Grant darauf, was die Nordstaatler über den Süden dachten und wie ihre Überzeugungen eine eigene Sichtweise schufen: einen nördlichen Nationalismus, der auf der Ablehnung des Südlichen beruhte.
Grant identifiziert die Ansichten des Nordens über den Süden zwischen 1830 und 1856 und untersucht, wie sie sich entwickelten, wie sie sich veränderten und wie sie von der Republikanischen Partei in ihrem ersten nationalen Wahlkampf verwendet wurden. Sie zeigt, dass die Republikaner negative Bilder des Südens nutzten, um den Regionalismus des Nordens in einen selbsternannten "amerikanischen Nationalismus" zu verwandeln - und gleichzeitig den Süden in eine Region zu verwandeln, die im Gegensatz zur Nation stand.
Um diese These zu untermauern, untersucht Grant die von Schriftstellern, Reisenden und Politikern zum Ausdruck gebrachte Haltung gegenüber dem Süden. Anhand von Werken so prominenter Schriftsteller wie Ralph Waldo Emerson, William Cullen Bryant und Horace Mann zeigt sie, dass der Norden den Süden als negativen Bezugspunkt nutzte, um seine eigene - also amerikanische - Identität zu definieren, und den Süden damit von der vollen Teilhabe am Prozess des amerikanischen Nationalaufbaus ausschloss.
Diese provokative Studie verknüpft den Prozess des nationalen Aufbaus in Amerika mit neueren Studien zum europäischen Nationalismus und füllt eine Lücke in der Geschichtsschreibung der Nord-Süd-Beziehungen. Als eine der ersten Wissenschaftlerinnen, die neue Theorien des nationalen Aufbaus auf Amerika beziehen, zeigt Grant, dass die Vereinigten Staaten mehr mit der europäischen Erfahrung gemeinsam haben, als oft anerkannt wird, und bietet eine einzigartige und erhellende Perspektive auf den Prozess der amerikanischen Nationenbildung. Ihr Buch ist eine Pflichtlektüre für alle, die sich für das Amerika der Vorkriegszeit und die Ursprünge des Bürgerkriegs interessieren.