
Norm Dilemmas in Humanitarian Intervention: How Bosnia Changed NATO
Die NATO, eine Organisation, die als antikommunistisches Bündnis gegründet wurde, sah sich nach dem unerwarteten Zusammenbruch der UdSSR zu Beginn der 90er Jahre mit existenziellen Fragen konfrontiert.
Die Intervention im Bosnienkonflikt zwischen 1992 und 1995 gab ihr ein neues Zielbewusstsein und eine Neudefinition ihres Kernauftrags. Abe argumentiert, dass ein Anstoß für diesen Wandel das Normendilemma war, das der Konflikt in Bosnien darstellte.
Einerseits verstieß ein Staat, der das Massaker an seiner Zivilbevölkerung überwachte, gegen internationale Normen, andererseits würde ein Eingreifen von außen gegen die Normen der souveränen Integrität und der Nichtanwendung von Gewalt verstoßen. Die NATO als internationale Regierungsorganisation wurde somit zu einem Mittel, um diese Art von Dilemma zu vermeiden. In diesem Buch, einer detaillierten Fallstudie über die NATO während des Bosnienkriegs, wird untersucht, wie die unterschiedlichen Ansichten und Präferenzen der westlichen Staaten in Bezug auf die Intervention in Bosnien miteinander in Einklang gebracht wurden, als sie sich auf die Grundzüge der NATO-Reform einigten.
Dabei werden die Entscheidungsprozesse in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den USA im Einzelnen untersucht. Insbesondere analysiert Abe, warum widersprüchliche Normen dazu führten, dass der Schwerpunkt auf die Fähigkeit zur Konfliktverhütung und nicht einfach auf die Fähigkeit zur bewaffneten Intervention gelegt wurde.