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Operation Valkyrie
Der 20. Juli 1944 wird gewöhnlich mit dem Bombenattentat auf Hitler in Verbindung gebracht. Was den Plan von Oberst Stauffenberg jedoch von allen anderen unterscheidet, ist, dass das Attentat auf den Führer nur die Vorstufe zu einem umfassenden Militärputsch sein sollte. Das Ziel war, das mörderische Regime zu stürzen und den Krieg so schnell wie möglich zu beenden.
Die Verschwörung wurde lange Zeit unter politischen, sozialen, religiösen oder moralischen Gesichtspunkten analysiert. Dieses Buch geht der Frage nach, welche militärische Dimension der Plan hatte. Welche Traditionen gab es in der deutschen Armee, wie wurde geplant und vorbereitet, und warum scheiterte das Komplott schließlich? Mehr noch: Wie wirkte sich die Verschwörung auf die nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost und West geschaffenen deutschen Armeen und auch auf das österreichische Bundesheer aus?
Da die Politiker unter den Verschwörern in Kategorien des kaiserlichen Deutschlands oder zumindest der Weimarer Republik dachten, waren die Offiziere unter ihnen von der Reichswehr geprägt. Doch Stauffenberg und einige andere waren auch kluge Intellektuelle, die bereit waren, ihre Kriegserfahrungen in ihre Pläne einfließen zu lassen, was sie bisweilen überraschend modern erscheinen ließ.
Der Staatsstreich war so sorgfältig geplant worden, wie es die Umstände im kriegsgeschüttelten Berlin zuließen. Doch wie die meisten Offiziere vorausgesehen hatten, weigerten sich die Heeresverbände zu handeln, als bekannt wurde, dass Hitler die Bombe Stauffenbergs überlebt hatte. Der Mythos, der den Führer umgab, verhinderte effektiv jede militärische Aktion gegen ihn.
Dennoch hatte der gescheiterte Aufstand seine Auswirkungen: Das Regime nutzte die Gelegenheit, die Machtverhältnisse weiter zugunsten Himmlers und seiner Lehnsherren (SS, Gestapo, Polizei) zu verschieben, zum Nachteil der Armee, die Hitler ohnehin als zu reaktionär empfand.
Die Führung der westdeutschen Bundeswehr betrachtete den gescheiterten Aufstand stets als Teil ihrer Tradition, aber es dauerte eine Weile, bis sich diese Haltung in der Basis durchsetzte. Ein Teil der ehemaligen Wehrmachtssoldaten betrachtete Stauffenberg und seine Freunde jahrzehntelang als Verräter.
Das Buch ist das erste, das sich diesem wichtigen Ereignis der deutschen Geschichte aus einer spezifisch militärischen Sicht nähert und dabei zu überraschenden neuen Ergebnissen kommt.