
Victimhood, Memory, and Consumerism: Profiting from Pablo
Die Einwohner von Medelln, Kolumbien, litten in den 1980er und 1990er Jahren unter der kriegsähnlichen Gewalt von Drogenkartellen und anderen Akteuren; Tausende starben, darunter unschuldige Zivilisten, Richter und Journalisten, viele weitere wurden verletzt und erlitten psychische Traumata. Drei Jahrzehnte später jedoch haben transnationale audiovisuelle Unternehmen wie Netflix die traumatischen Erinnerungen in Unterhaltung umgewandelt, und der Haupttäter, Pablo Escobar, wurde zu einer Marke gemacht. Während die Weltöffentlichkeit etwas über Escobars Leben und seinen Mythos erfährt, geraten die Geschichten seiner Opfer in Vergessenheit.
Victimhood, Memory, and Consumerism: Profiting from Pablo dokumentiert die Geschichte der Gewalt, die in Medelln stattgefunden hat, und untersucht kritisch die Position der Opfer. Das Buch stützt sich auf einzigartiges empirisches Material und befasst sich mit den Folgen der kommerziellen Ausbeutung der gewalttätigen Vergangenheit der Stadt für die Opfer der massenhaften Drogengewalt und für den gegenwärtigen Charakter der Stadt. Um das Ausmaß der mit dem Erbe von Pablo Escobar erzielten Gewinne aufzuzeigen, behandeln die Autoren eine Reihe von Themen. Erstens beschreiben sie, wie die immense Popularität von Drogenserien dazu geführt hat, dass das Leiden der Stadt von kommerziellen Kräften zur Unterhaltung eines globalen Publikums vereinnahmt wurde; zweitens gehen sie detailliert auf die Escobar-Touren, -Souvenirs und -Artefakte ein, die von der Tourismusindustrie Medellns angeboten werden; und schließlich zeigen sie die weniger sichtbaren Gewinne auf, die von politischen und sozialen Akteuren erzielt werden, die sich an der globalen Mythenbildung um Escobar beteiligen. Anhand von Interviews mit denjenigen, die direkt von der Drogengewalt betroffen sind, zeigen die Autoren, dass.
Diese kulturellen Kräfte haben unmittelbare symbolische und materielle Folgen.
Victimhood, Memory, and Consumerism bietet eine aufschlussreiche Kritik daran, wie die globale Marktwirtschaft denjenigen, die an Prozessen der kollektiven Gedächtnisbildung beteiligt sind, ungleiche Erzählmacht zugesteht, mit dem weiter gefassten Ziel, ein Thema anzusprechen, das bisher in der Kriminologie, der internationalen Strafjustiz und der Viktimologie vernachlässigt wurde: die Position der Opfer von Drogengewalt in großem Maßstab. Dieser Band ist eine durch und durch fesselnde Lektüre und wird international sowohl Akademiker in den Bereichen Kriminologie und Viktimologie als auch diejenigen ansprechen, die sich für kritische Perspektiven auf Netflix, Kommerz und kolumbianische Geschichte interessieren.