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Eastern Learning and the Heavenly Way: The Tonghak and Chondogyo Movements and the Twilight of Korean Independence
Tonghak, oder Östliche Lehre, war die erste große neue Religion in der modernen koreanischen Geschichte. Sie wurde 1860 gegründet und kombinierte Aspekte verschiedener koreanischer religiöser Traditionen. Aufgrund ihrer Anziehungskraft auf die Armen und Ausgegrenzten wurde sie vor allem durch ihre herausragende Rolle beim größten Bauernaufstand in der koreanischen Geschichte im Jahr 1894 bekannt, der den Boden für einen größeren regionalen Konflikt, den chinesisch-japanischen Krieg von 1894 bis 1895, bereitete. Obwohl der Aufstand scheiterte, führte er zu immensen Veränderungen in der koreanischen Gesellschaft und spielte eine Rolle in dem Krieg, der mit dem Sieg Japans und seinem späteren Aufstieg zur kaiserlichen Macht endete.
In diesem Kontext des sozialen Wandels und einer zunehmend gefährlichen internationalen Situation baute sich Tonghak neu auf und entstand 1906 als Ch'ŏndogyo (Lehre des himmlischen Weges). In den Jahren vor der Annexion Koreas durch Japan im Jahr 1910 entwickelte sich das Ch'ŏndogyo weiter, indem es sich mit neuen Strömungen im sozialen und politischen Denken auseinandersetzte, seine Institutionen stärkte und neue Kommunikationstechnologien zur Verbreitung seiner religiösen und politischen Botschaft nutzte. Trotz des Verlusts der Unabhängigkeit Koreas blieb die Ch'ŏndogyo bestehen und spielte eine wichtige Rolle in den koreanischen Nationalbewegungen während der japanischen Kolonialzeit, insbesondere bei den Demonstrationen des Ersten Marsches für die Unabhängigkeit 1919. Es konnte nur dank der Prozesse gedeihen, die in den letzten Jahren der koreanischen Unabhängigkeit stattgefunden hatten.
Dieses Buch konzentriert sich auf die internen Entwicklungen der Tonghak- und Ch'ŏndogyo-Bewegungen zwischen 1895 und 1910. Es stützt sich auf eine Vielzahl von Quellen in mehreren Sprachen, wie religiöse Geschichten, Lehrwerke, Zeitungen, Regierungsberichte und ausländische diplomatische Berichte, und erklärt, wie Tonghak die Unruhen nach dem gescheiterten Aufstand von 1894 überlebte, um die Grundlagen für die wichtige Rolle von Ch'ŏndogyo in der japanischen Kolonialzeit zu schaffen. Die Geschichte von Tonghak und Ch'ŏndogyo ist nicht nur ein Beispiel dafür, wie neue Religionen mit den sie umgebenden Gesellschaften interagieren und wie sie sich mit zunehmender Etablierung konsolidieren und institutionalisieren; sie zeigt auch, wie die Koreaner die Herausforderungen des sozialen, politischen und wirtschaftlichen Wandels bewältigten und sich mit der drohenden Dunkelheit auseinandersetzten, die zur Auslöschung der nationalen Unabhängigkeit durch das expandierende japanische Kaiserreich führen würde.