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Peripheral Visions: The Hidden Stages of Weimar Cinema
Der Titel dieses Sammelbandes greift Siegfried Kracauers Aussage auf, dass die prunkvollen Filmpaläste im Deutschland der 1920er Jahre dazu dienten, das periphere Sehen zu stimulieren und so zu verhindern, dass das Publikum vom eigentlichen Spektakel absorbiert wurde. Bei der Betrachtung von Fragen zu räumlichen Transformationen im und um das Weimarer Kino haben die acht Aufsätze dieses Bandes, wenn auch einige expliziter als andere, Kracauer als Gesprächspartner. Kracauer, der erste große Kritiker des klassischen deutschen Kinos, ist ein Förderer einer Optik, die den Blick auf die Peripherie richtet und zur Analyse jener anderen Räume einlädt, die in den Filmen selbst impliziert, wenn nicht gar präsent sind.
Zu den Filmen, die in diesem Band behandelt werden, gehören so wichtige Werke des Expressionismus wie Langs Metropolis und Murnaus Nosferatu, aber auch weniger bekannte Werke wie Ruttmans Berlin, Sinfonie einer Stadt, Jessners Backstairs, Bergers Tag und Nacht und die Bergfilme von Fanck und Riefenstahl. Zu den "versteckten Bühnen", die analysiert werden, gehören Vergnügungsparks, Jahrmärkte, Kaufhäuser, Zugabteile, Stadtstraßen, die Gebärmutter, das Theater, die Kammer, Kellerwohnungen - und schließlich Neubabelsberg, der riesige Studiokomplex bei Berlin, in dem so viele dieser peripheren Räume simuliert wurden.
Mit Bezügen, die von der Kulissenarchitektur bis zu Weihnachtsfeiern, von der Lyrik Rilkes bis zur Kammermusik, von der Einführung des Tons bis zu den Macy's-Paraden und von einem "urbanen Unbewussten" bis zu einem "filmischen Erhabenen" reichen, ist Periphere Visionen eine reich nuancierte Sammlung, die für Studenten und Wissenschaftler der Film- und Germanistik von bleibendem Interesse sein wird.