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Physics in a Mad World
Dieses Buch erzählt die fesselnden Geschichten der Missgeschicke zweier renommierter theoretischer Physiker in der Sowjetunion. Der erste Teil ist Friedrich (Fritz) Houtermans gewidmet, einem herausragenden niederländisch-österreichisch-deutschen Physiker, der als erster die These aufstellte, dass die Energiequelle der Sterne die Kernfusion ist, und der auch eine Reihe anderer wichtiger Beiträge zur Kosmochemie und Geochemie leistete.
1935 floh Houtermans, ein deutscher Kommunist, in die Sowjetunion, um sein Leben vor Hilters Gestapo zu retten. Er nahm eine Stelle am Physikalisch-Technischen Institut in Charkow an und arbeitete dort zwei Jahre lang mit dem russischen Physiker Valentin P. Fomin zusammen.
Während der Großen Säuberung von 1937 wurde Houtermans im Dezember vom NKWD (sowjetische Geheimpolizei, dem Vorläufer des KGB) verhaftet.
Er wurde gefoltert und gestand, ein trotzkistischer Verschwörer und deutscher Spion zu sein, da er Drohungen gegen seine Frau Charlotte befürchtete. Charlotte war jedoch bereits aus der Sowjetunion nach Dänemark geflohen, von wo aus sie nach England und schließlich in die USA ging.
Infolge des Hilter-Stalin-Pakts von 1939 wurde Houtermans im Mai 1940 an die Gestapo ausgeliefert und in Berlin inhaftiert. Der zweite Teil besteht aus zwei Essays, die die Lebensgeschichte von Juri Golfand erzählen, einem der Mitentdecker der Supersymmetrie, einer wichtigen Entdeckung der theoretischen Physik im 20. 1973, nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung seiner bahnbrechenden Arbeit, wurde er vom Lebedew-Physikinstitut in Moskau entlassen.
Aufgrund seiner jüdischen Herkunft konnte er keine Arbeit finden. Unter diesen Umständen beantragte er ein Ausreisevisum für Israel, doch sein Antrag wurde abgelehnt. Juri Golfand wurde zum Verweigerer und schloss sich der Menschenrechtsbewegung an, zusammen mit zwei anderen prominenten Physikern, Andrej Sacharow und Juri Orlow.
Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, musste er körperliche Arbeit verrichten und wurde immer wieder vom KGB eingeschüchtert. Erst 18 Jahre später, kurz vor dem Untergang der Sowjetunion, erhielt er die Erlaubnis, das Land zu verlassen, und wanderte 1990 nach Israel aus.
Diese persönlichen Lebensgeschichten zweier herausragender Theoretiker sind mit den Tragödien des 20. Jahrhunderts verwoben und bieten eine fesselnde Lektüre.