
Pindar, Song, and Space: Towards a Lyric Archaeology
In diesem Band entwickeln Richard Neer und Leslie Kurke einen neuen, integrierten Ansatz für das klassische Griechenland: eine lyrische Archäologie, die literarische und kunstgeschichtliche Analysen mit archäologischem und epigraphischem Material verbindet. Im Mittelpunkt des Buches steht der große Dichter Pindar von Theben, der vor allem für seine prächtigen Oden zu Ehren der Sieger bei den Olympischen Spielen und anderen Wettkämpfen bekannt ist. Im Gegensatz zu der durch und durch persönlichen Gattung der modernen Lyrik waren diese Gedichte für die öffentliche Aufführung durch tanzende Männerchöre bestimmt. Neer und Kurke gehen noch weiter und zeigen, dass sie auch ortsspezifisch waren: Während sich die Tänzer durch den Raum einer Stadt oder eines Heiligtums bewegten, bezog sich ihr Gesang auf lokale Denkmäler und Wahrzeichen. Ein Teil von Pindars Auftrag, so argumentieren sie, bestand darin, Worte und Körper in kunstvolle Wandteppiche aus Mythos und Geografie zu verweben und so die Struktur des Stadtstaates neu zu erfinden. Pindars Gedichte waren, kurz gesagt, Werkzeuge, um dem Raum einen Sinn zu geben.
Die neuere Forschung neigt dazu, Poesie, Kunst und Archäologie voneinander zu trennen. Neer und Kurke zeigen jedoch, dass diese Unterscheidungen künstlich sind. Gedichte, Statuen, Bronzen, Gräber, Grenzsteine, Straßen, Leuchttürme und Gebäude bildeten zusammen eine Reihe von Technologien zur Organisation von Landschaften, Stadtbildern und Territorien. Die Untersuchung dieser Technologien im Tandem offenbart die Verfahren und Kriterien, nach denen die Griechen die Beziehungen von Nähe und Distanz, von hier und dort verstanden - und wie diese Arten, den Raum zu bewohnen, im Wesentlichen politisch waren.
Pindar, Song, and Space spannt den Bogen von Athen bis Libyen, von Sizilien bis Rhodos, um ein aufschlussreiches neues Verständnis der von den Griechen geschaffenen Welt zu vermitteln - und ein neues Modell für das Studium der antiken Welt.