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Talking Politics
Diejenigen, die sich mit der Analyse der öffentlichen Meinung befassen, behaupten seit langem, dass der Durchschnittsbürger nicht in der Lage ist, auch nur die rudimentärsten Fakten über die aktuelle Politik zu nennen; dass das Wenige, das der Durchschnittsbürger weiß, von den Medienberichten für bare Münze genommen wird, und dass die Folge ein Gemeinwesen ist, das schlecht auf eine demokratische Regierung vorbereitet ist. Soziale Bewegungen, die sich im Großen und Ganzen aus Durchschnittsbürgern zusammensetzen, die sich über bestimmte Themen aufregen, waren jedoch in der gesamten amerikanischen Geschichte ein herausragendes Merkmal der politischen Szene, und sie erleben in den letzten Jahren ein Wiederaufleben.
William Gamson stellt die Frage, wie es sein kann, dass so viele Menschen in Bewegungen aktiv werden, wenn die Menschen im Allgemeinen so uninteressiert und schlecht über Themen informiert sind. Die Schlussfolgerung, zu der er in diesem Buch gelangt, ist eine eindrucksvolle Widerlegung der gängigen Weisheit über die Fähigkeit der Öffentlichkeit, über Politik nachzudenken. Anstatt sich auf Umfragedaten zu stützen, wie es so viele Studien über die öffentliche Meinung tun, berichtet Gamson über seine Analyse von Diskussionen in kleinen Gruppen von Menschen aus der Arbeiterklasse zu vier kontroversen Themen: Affirmative Action, Atomkraft, der arabisch-israelische Konflikt und die Probleme der amerikanischen Industrie.
Auszüge aus vielen dieser Diskussionen sind in dem Buch wiedergegeben. Gamson analysiert, wie dieselben Themen in einer Reihe von Medien behandelt wurden, von redaktionellen Meinungskolumnen bis hin zu politischen Karikaturen und Nachrichtensendungen, um festzustellen, wie stark die Gruppendiskussionen den Mediendiskurs nachahmen.
Er kommt zu dem Schluss, dass der Prozess der Meinungsbildung komplexer ist, als er üblicherweise dargestellt wird, und dass die Menschen die Medieninformationen durch die Reflexion ihrer eigenen Erfahrungen oder der Erfahrungen von Menschen, die sie kennen, beeinflussen. Die in diesem Buch transkribierten Diskussionen zeigen, dass die Menschen durchaus in der Lage sind, sachkundige und gut begründete Diskussionen über Themen zu führen, und dass, obwohl die meisten Menschen nicht geneigt sind, sich aktiv an der Politik zu beteiligen, der Keim für politisches Handeln in den Köpfen vieler vorhanden ist.
Mit der richtigen Stimulierung kann dieses latente politische Bewusstsein aktiviert werden, was die ständige Entstehung sozialer Bewegungen erklärt.