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Political Disappointment: A Cultural History from Reconstruction to the AIDS Crisis
Eine neue Kulturgeschichte der Vereinigten Staaten zeigt, wie Künstler, Intellektuelle und Aktivisten die politische Enttäuschung - den unerfüllten Wunsch nach Veränderung - in eine Grundlage für Solidarität verwandelten, von den Nachwehen der Reconstruction bis zur AIDS-Krise.
Sara Marcus argumentiert, dass die entscheidenden Texte der amerikanischen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts Aufzeichnungen politischer Enttäuschungen sind. Durch aufschlussreiche und oft überraschende Lektüren von Literatur und Ton bietet Marcus eine neue Kulturgeschichte des letzten Jahrhunderts, in dem kreative Köpfe das Vergehen von Momenten der Möglichkeit beobachteten, eine Bilanz der erlittenen Verluste zogen und durch ihr Zeugnis intellektuelle Revolutionen und unerwartete Solidaritäten förderten.
Political Disappointment zeigt, wie Schriftsteller und Künstler durch die direkte Konfrontation mit Enttäuschungen dazu beitrugen, neue politische Bedeutungen und Möglichkeiten zu schaffen. Marcus analysiert zunächst die Werke von W. E. B. Du Bois, Charles Chesnutt, Pauline Hopkins und den Fisk Jubilee Singers, die den Schmerz der frühen Jim-Crow-Ära zum Ausdruck brachten, in der die weiße Vorherrschaft den Wiederaufbau des Landes als multirassische Demokratie vereitelte. In den folgenden Jahrzehnten bauten die Lieder und Geschichten von Lead Belly und Tillie Olsen, die Soundscapes der Bürgerrechts- und Black-Power-Bewegungen, die feministische Poesie von Audre Lorde und Adrienne Rich sowie die queere Kunst von Marlon Riggs und David Wojnarowicz das jahrhundertelange Archiv der Enttäuschung weiter aus. Marcus zeigt, wie Niederlagen immer wieder neue Formen des Protests und der kollektiven Praxis hervorbrachten und den Traum von einer besseren Welt am Leben hielten.
Die Enttäuschung hat sich als ein dauerhaftes, vielleicht sogar unvermeidliches Merkmal des demokratischen Projekts erwiesen, aber auch der Widerstand, den sie auslöst. Marcus' einzigartige Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts macht den unerfüllten Wunsch nach Befreiung wieder zu einer produktiven Kraft in der amerikanischen Literatur und im Leben.