
Practices of Projection: Histories and Technologies
Für viele bleiben die technischen Aspekte der Projektion oft unbemerkt und werden nur in Krisenmomenten oder bei Fehlfunktionen wahrgenommen. Wenn zum Beispiel ein Kinoprojektor ausfällt, schaut das Publikum plötzlich in den hinteren Teil des Kinos, um ein Zeichen für einen mechanischen Defekt zu sehen.
Die Geschichte des Kinos zeigt ebenfalls, dass die Aufmerksamkeit für die Projektion dann am größten ist, wenn das gesamte Medium in der Schwebe hängt. Während der wirtschaftlichen Konsolidierung Hollywoods in den 30er Jahren bestimmte die Projektion die Art und Weise, wie Synchrontontechnologien innerhalb des Mediums eingesetzt werden konnten. In jüngster Zeit wiederholte sich dieser Prozess mit der Digitalisierung des Kinos, als die Technologie überarbeitet wurde, um die Mobilität zu erleichtern.
Diese Beispiele zeigen, wie die Projektion immer wieder die Neuordnung der Medientechnologie anspricht.
Die Projektion muss daher als zentrales Element für die Zukunft des technologischen Wandels der visuellen Medien untersucht werden. In Practices of Projection: Histories and Technologies befassen sich die Herausgeber des Bandes, Gabriel Menotti und Virginia Crisp, mit der kulturellen und technologischen Bedeutung der Projektion.
In allen Kapiteln des Bandes wird betont, dass Projektion nicht allein auf ihre filmischen Funktionen reduziert werden kann und darf. In Anlehnung an die Definition des Medientheoretikers Siegfried Zielinksi bezeichnen Menotti und Crisp die Projektion als "heterogene Anordnung von Artefakten, technischen Systemen und insbesondere visuellen Praktiken des Experimentierens und der Kultur". Daraus kann der Leser den performativen Charakter des bewegten Bildes und die Arbeit der verschiedenen Akteure verstehen, die an der Äußerung des Filmtextes beteiligt sind.
Die Projektion ist nicht überall gleich und auch nicht immer gleich. Ihre Systeme stehen in ständiger Wechselwirkung mit Umweltbedingungen, Nachbarschaftsstrukturen, lokalen Kulturen und sozialen Ökonomien. Die Vorstellung von Projektion als einem universellen, völlig autonomen Vorgang ist daher nicht haltbar.
Jede Projektion trägt zu einem umfassenderen Verständnis von Filmvorführtechnologien bei.