
Precarious Figurations
Prekäre Figurationen konzentriert sich auf die Rezeption von Shakespeares Der Kaufmann von Venedig in Deutschland im 20. und 21.
Jahrhunderts. Mit Blick auf theatrale Praktiken und kritische oder wissenschaftliche Diskurse von der Weimarer Republik bis ins neue Jahrtausend untersucht das Buch, warum das Stück gleichzeitig als Vehikel für die Aktualisierung antisemitischer Tropen und als Schauplatz für die kritische Entlarvung der Logik des Antisemitismus selbst gedient hat.
Insbesondere geht die Studie der Frage nach, wie die Figur des Shylock sowohl zum Mittel als auch zum Stolperstein für Versuche geworden ist, den durch den Holocaust verursachten fundamentalen Zivilisationsbruch zu überbrücken. Die sorgfältige Analyse der deutschen Rezeption von Merchant und insbesondere die Art und Weise, wie Shylock im Kontext schmerzhafter deutscher und deutsch-jüdischer Identitäts- und Erinnerungsdiskurse gespielt und gelesen wird, soll grundlegende Fragen aufwerfen - Fragen, die nicht nur die Inszenierung von Jüdischsein, die Hartnäckigkeit des Antisemitismus und die Schwierigkeiten des Holocaust-Gedenkens betreffen, sondern auch die allgemeinen Möglichkeiten und Grenzen theatraler Interventionen in kulturelle Konflikte.