
Prosodic boundary phenomena
Beim Verstehen gesprochener Sprache wird der Hörer mit einem mehr oder weniger kontinuierlichen Strom auditiver Informationen konfrontiert. Prosodische Hinweise, wie z.B.
Tonhöhenverschiebungen, Verlängerungen vor der Grenze und Pausen, helfen schrittweise dabei, den eingehenden Informationsstrom in prosodische Phrasen zu gliedern, die oft mit syntaktischen Einheiten übereinstimmen. Prosodie ist daher von zentraler Bedeutung für das Verstehen gesprochener Sprache, und einige Modelle gehen davon aus, dass der Sprecher Prosodie in einer konsistenten und hierarchischen Weise produziert. Zwar gibt es vielfältige empirische Belege dafür, dass prosodische Grenzhinweise zuverlässig und robust produziert werden und das gesprochene Satzverständnis in verschiedenen Populationen und Sprachen effektiv steuern, doch sind die zugrunde liegenden Mechanismen und die Art der Schnittstelle zwischen Prosodie und Syntax noch immer nicht ausreichend geklärt.
Dies spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass den meisten Modellen zur Satzverarbeitung prosodische Informationen völlig fehlen. Der vorliegende Sammelband geht auf einen Workshop zurück, der 2021 auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS) stattfand.
Die fünf Kapitel behandeln ausgewählte Themen zur Produktion und zum Verständnis prosodischer Hinweise in verschiedenen Populationen und Sprachen, wobei der Schwerpunkt auf der Verarbeitung von Prosodie an strukturell relevanten prosodischen Grenzen liegt. Das Buch enthält insbesondere sprachübergreifende Belege sowie Belege von Nicht-Muttersprachlern, Kleinkindern, Erwachsenen und älteren Sprechern, die die wichtige Rolle der Prosodie sowohl bei der Sprachproduktion als auch beim Sprachverstehen unterstreichen.