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Pullman Case
Der Streik der American Railway Union gegen die Pullman Palace Car Company im Jahr 1894 setzte eine Kette von Ereignissen in Gang, deren Auswirkungen noch heute zu spüren sind. Der Streik brachte die größte Industriegewerkschaft Amerikas gegen vierundzwanzig Eisenbahngesellschaften auf, legte den Bahnverkehr im halben Land lahm und wurde schließlich von Bundestruppen aufgelöst und von den Gerichten niedergeschlagen, wobei der Gewerkschaftsführer Eugene Debs ins Gefängnis gesteckt wurde.
Hinter dem Pullman-Fall verbarg sich jedoch ein Ideologiekonflikt zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Geschichte unseres Landes. David Ray Papke untersucht die Ereignisse und Persönlichkeiten rund um den Streik von 1894, die damit verbundenen Verfahren vor den Gerichten in Chicago und die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 1895, In re Debs, die wichtige Maßstäbe für arbeitsrechtliche Verfügungen setzte. Er zeigt auf, wie das Gericht durch die Aufrechterhaltung der Vorladung von Debs wegen Missachtung der Vorschriften der Gewerkschaft auf breiter Basis in der wichtigsten Industrie der Nation und jeder Hoffnung auf eine gerechtere Form der gerichtlichen Einmischung in Arbeitskonflikte einen tödlichen Schlag versetzte und damit die Weichen für das Arbeitsrecht der kommenden Jahrzehnte stellte.
Der Pullman-Fall war ein entscheidender Moment in der oft gewalttätigen Konfrontation zwischen Kapital und Arbeit. Er brachte den reichen Industriellen George Pullman gegen Debs auf und gab Debs' jungem Anwalt Clarence Darrow eine Bühne.
Während des gesamten Prozesses versuchten Kapital und Arbeiter, die Öffentlichkeit von der Gerechtigkeit ihrer Sache zu überzeugen: Debs prangerte die Behandlung der Arbeiter durch das Unternehmen an und Pullman schürte Ängste vor radikalen Gewerkschaftern. Papke liefert eine analytisch prägnante und sehr lesenswerte Darstellung dieser Verfahren, die einen Einblick in die Stärken und Schwächen des Gesetzes auf dem Höhepunkt des Industriekapitalismus bietet, Debs' leidenschaftliches Engagement für die Rechte der Arbeiter vor Augen führt und einen Blick auf Amerika in einer Zeit der raschen Industrialisierung und des sozialen Wandels ermöglicht.
Papke zeigt, dass das Gesetz bei der Verteidigung von Unternehmensinteressen alles andere als neutral war, und deutet an, was der Pullman-Fall, der sowohl Fragen zur Legitimität riesiger Unternehmen als auch zum revolutionären Stil der Industriegewerkschaften aufwirft, uns über das Recht und die Rechtsinstitutionen in unserer eigenen Zeit lehren kann. Sein Buch fängt die Leidenschaften des industriellen Amerikas ein und erzählt eine wichtige Geschichte am Schnittpunkt von Rechts- und Kulturgeschichte.