
Queer Enchantments: Gender, Sexuality, and Class in the Fairy-Tale Cinema of Jacques Demy
Für Uneingeweihte können die Filme des französischen New-Wave-Regisseurs Jacques Demy mit ihren knalligen Farbschemata und gesungenen Dialogen seltsam und sogar lächerlich wirken. Doch seit den späten 1990er Jahren hat eine Generation von queeren Filmemachern in Frankreich neue Inspiration in Demys Kino gefunden. In diesem Band untersucht die Autorin Anne E. Duggan die queere Sensibilität von Jacques Demy im Zusammenhang mit einem anderen, bisher wenig untersuchten Merkmal seines Werks: seiner wiederkehrenden Verwendung des Märchens. In Queer Enchantments: Gender, Sexuality, and Class in the Fairy-Tale Cinema of Jacques Demy zeigt Duggan, dass Demy märchenhafte Mittel einsetzt, um die Identitätskategorien seiner Figuren zu erforschen und zu erweitern, während er die Möglichkeiten des Genres Märchen durch seine filmischen Überarbeitungen ausweitet.
In jedem Kapitel untersucht Duggan, wie Demy die subversiven Qualitäten von Märchenparadigmen strategisch entfaltet, herausfordert und herauskitzelt. In Kapitel 1 liest Duggan Demys Lola und Die Regenschirme von Cherbourg durch die Linse von "Aschenputtel" und "Dornröschen", während sie in Kapitel 2 Demys Überarbeitung von Charles Perraults "Eselshaut" unter dem besonderen Blickwinkel der schwulen Ästhetik untersucht. In Kapitel 3 verortet Duggan Demys Wiedergabe von Der Rattenfänger in Bezug auf eine spezifisch französisch-amerikanische Tradition der Legende, die bisher noch keine kritische Aufmerksamkeit erhalten hat. In Kapitel 4 schließlich untersucht sie die Art und Weise, in der Demys Lady Oscar das Verhängnis der Figur der jungen Kriegerin darstellt. In einem Epilog wird Demys Märchenkino als exemplarisch für das postmoderne Märchen gelesen.
Duggan zeigt, dass Demys Kino die inhärenten Spannungen und Probleme, die bereits in den Märchentexten vorhanden waren, noch verstärkt und sie nutzt, um sowohl die Zwänge als auch die utopischen Möglichkeiten des Märchens zu veranschaulichen. Sowohl Film- als auch Märchenforscher werden von Duggans frischem Blick auf das unverwechselbare Kino von Jacques Demy begeistert sein.