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Ruins and Fragments: Tales of Loss and Rediscovery
Was hat es mit den Ruinen auf sich, dass sie so verlockend und rätselhaft sind, dass sie einige von uns in endlosem Staunen über die halb ausgelöschte Geschichte, die sie erzählen, halten können? In diesem eleganten Buch erforscht Robert Harbison die fesselnde Anziehungskraft, die diese Überreste und Scherben - aus Architektur, Kunst und Literatur - auf uns ausüben. Warum, so fragt er, sind wir so misstrauisch gegenüber Dingen, die zu glatt, zu kontinuierlich sind? Warum haben wir das Gefühl, wenn wir ein Fragment betrachten, dass seine Unvollständigkeit eine Art von Bedeutung in sich selbst hat? Liegt es daran, dass unsere Erfahrung auf der Erde von Natur aus diskontinuierlich ist, oder dass wir einfach nicht an etwas Ganzes glauben können?
Harbison führt uns durch Ruinen und Fragmente, sowohl antike als auch moderne, visuelle und textliche, und zeigt uns, wie wichtig sie für das Verständnis unserer heutigen Denkweise sind und wie wir hierher gekommen sind. Zunächst betrachtet er antike Fragmente und untersucht, wie wir sie geborgen, restauriert und als Kunstwerke ausgestellt haben. Dann wendet er sich der Architektur der Moderne zu und der Art und Weise, wie sie eine fragmentarische Form anstrebt, indem er moderne Projekte untersucht, die in bestehende Ruinen hineingebaut wurden, wie etwa das Castelvecchio in Verona, Italien, und den Wiederaufbau des Neuen Museums in Berlin. Von dort aus erkundet er die Literatur und die Werke von T. S. Eliot, Montaigne, Coleridge, Joyce und Sterne und wie sie Fragmente als Grundlage für die Schaffung neuer Werke verwendet haben. Ebenso untersucht er die bildende Kunst, von Schwitters' Collagen bis zu Ruskins Zeichnungen, sowie filmische Werke von Sergei Eisenstein bis Julien Temple, wobei er sich auch nicht vor bewussteren Schöpfern von Ruinen scheut, von Gordon Matta-Clark bis zu unzähligen Graffiti-Künstlern.
Von der Antike bis zur Moderne und über alle erdenklichen Kunstformen hinweg wirft Harbison einen poetischen Blick darauf, wie Ruinen uns einen Weg bieten, die Geschichte zu verstehen, und wie sie es uns ermöglichen, Neues zu schaffen.