
Scenographies of Perception: Sensuousness in Hegel, Novalis, Rilke, and Proust
Sinneswahrnehmung und literarisches Erzählen werden bisweilen als Gegensätze betrachtet. Paul de Man zum Beispiel erklärte, dass „ein literarischer Text kein phänomenales Ereignis“ sei und daher „ein Verstehen erfordert, das immanent bleiben muss“.
Christian Jany stellt in seiner Studie eine solche strikte Trennung in Frage, indem er die Aufmerksamkeit auf das Zusammenspiel von Wahrnehmungs- und Erzählprozessen lenkt. Die Einführung von phänomenologischen Schlüsselbegriffen und vor allem Hegels Konzeption der Sinneswahrnehmung als „Geschichte“ bereiten diese Verschiebung theoretisch vor. Die folgenden Analysen szenischer Wahrnehmungsbeschreibungen - oder Szenographien - von Novalis, Rilke und Proust demonstrieren das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Erzählung in der Praxis.
Die Dinge, die uns ein Rilke-Gedicht sehen lässt, die subtilen Resonanzen der Eröffnungsszene von Prousts Recherche und die seltsamen Verschmelzungen von Gedanken und Gefühlen, die eine „blaue Blume“ in Novalis' Heinrich von Ofterdingen erzeugt, sind exemplarische Beispiele für diese ambitionierte Studie zur literarischen Ästhetik. Christian Jany ist Postdoktorand am Institut für Literatur- und Kulturwissenschaft der ETH Z rich.