
Notework: Victorian Literature and Nonlinear Style
Notework beginnt mit einer verblüffenden Erkenntnis: Das Notizbuch eines Schriftstellers ist eine eigene Gattung. Simon Reader geht diesem Argument in originellen Lesungen unveröffentlichter Schriften prominenter viktorianischer Schriftsteller nach und bietet einen umfassenden Ansatz für den literarischen Formalismus des 21.
Jahrhunderts. Jahrhundert. Die Notizen von Charles Darwin, Oscar Wilde, Gerard Manley Hopkins, Vernon Lee und George Gissing sind weder Entwürfe noch Tagebücher, sondern halten ephemere und nichtlineare Erfahrungen fest und offenbaren den Wunsch jedes Autors, seine Fragmente verstreut und ungenutzt zu lassen.
Die Darstellung von Notizen in Form von Gattungsbegriffen ermöglicht es Reader, erfindungsreiche neue Darstellungen viktorianischer Schlüsseltexte vorzuschlagen, darunter Das Bildnis des Dorian Gray, Über die Entstehung der Arten und Hopkins' Andachtslyrik, und diese Werke als Meditationen über die Ethik des Zusammenstellens und Nutzens von Daten neu zu interpretieren. Auf diese Weise stellt Notework das Sammeln von Informationen als eine persönliche und ausdrucksstarke Tätigkeit dar, die im Gegensatz zu groß angelegten Systemen der Wissensorganisation in den Mittelpunkt rückt.
Auf der Suche nach einer Resonanz zwischen der heutigen digitalen Kultur und ihren Vorläufern aus dem 19. Jahrhundert würdigt der Reader unsere verfügbarsten, improvisierten und flüchtigen schriftlichen Gesten.