Bewertung:

In den Rezensionen zu „Blaming the Brain“ wird das Buch als eine gut recherchierte und zum Nachdenken anregende Kritik an der in der Psychiatrie vorherrschenden Theorie des chemischen Ungleichgewichts dargestellt. Der Autor, Elliot Valenstein, seziert die Marketingstrategien und wissenschaftlichen Fehler, die hinter der Werbung für psychiatrische Medikamente stehen, und plädiert für ein breiteres Verständnis von psychischen Erkrankungen. Während viele Leser das Buch wegen seines aufschlussreichen Inhalts empfehlen, äußern einige Bedenken wegen der Voreingenommenheit des Autors gegenüber der modernen Psychiatrie und wegen der Länge des Buches.
Vorteile:⬤ Bietet eine kritische Analyse der Theorie des chemischen Ungleichgewichts und der Beziehung zwischen Psychiatrie und Pharmaindustrie.
⬤ Gut recherchiert, bietet es einen historischen Kontext für die Behandlung der psychischen Gesundheit.
⬤ Regt zum Nachdenken an und stellt konventionelle Weisheiten über psychiatrische Behandlungen in Frage.
⬤ Klare und verständliche Sprache, die auch Nicht-Fachleuten komplexe Sachverhalte verständlich macht.
⬤ Einige Leser beschuldigen den Autor der Voreingenommenheit gegenüber modernen psychiatrischen Praktiken und Medikamenten.
⬤ Das Buch kann übermäßig viele Details und Wiederholungen enthalten, was es unnötig in die Länge zieht.
⬤ Einige Leser sind der Meinung, dass die Haltung des Autors diejenigen im Bereich der psychischen Gesundheit, die den Wert von Medikamenten sehen, befremden könnte.
(basierend auf 23 Leserbewertungen)
Blaming the Brain: The Truth about Drugs and Mental Health
In den letzten dreißig Jahren hat ein radikaler Wandel im Denken über die Ursachen psychischer Erkrankungen stattgefunden. Das psychiatrische Establishment und die Gesundheitsindustrie haben eine 180-Grad-Wende vollzogen, indem sie nicht mehr der Mutter, sondern dem Gehirn die Schuld an psychischen Störungen gaben. Während man lange Zeit Erfahrungen und das Umfeld als Ursache für die meisten emotionalen Probleme ansah, glaubt man heute allgemein, dass psychische Störungen - von Depressionen und Angstzuständen bis hin zur Schizophrenie - durch die Gehirnchemie bestimmt werden. Und viele Menschen akzeptieren inzwischen die weiter gefasste Vorstellung, dass auch ihre eigene Persönlichkeit von der Gehirnchemie bestimmt wird.
In seiner preisgekrönten, akribisch recherchierten und elegant geschriebenen Geschichte der Psychochirurgie, "Great and Desperate Cures", deckte Elliot Valenstein den großen Schaden auf, der Tausenden von Menschenleben zugefügt wurde, als das medizinische Establishment einen unbewiesenen Ansatz zur Behandlung psychischer Krankheiten verfolgte. In "Blaming the Brain" deckt er nun die vielen Schwächen der wissenschaftlichen Argumente auf, die die weithin akzeptierte Theorie stützen, dass biochemische Ungleichgewichte die Hauptursache für Geisteskrankheiten sind. Valenstein deckt auf, wie in den 1950er Jahren die zufällige Entdeckung einiger stimmungsverändernder Medikamente ein enormes Interesse an der Psychopharmakologie weckte, was zu einem schwindelerregenden Wachstum und Gewinn für die Pharmaindustrie führte. Er legt die kommerziellen Motive der Pharmakonzerne und ihr großes Interesse an der Ausweitung ihrer Märkte offen. Prozac, Thorazin und Zoloft sind nur einige der Psychopharmaka, die die Praxis in der Psychiatrie dramatisch verändert haben. Ärzte verschreiben sie heute in großer Zahl, obwohl, wie mehrere große Studien zeigen, ihre Wirksamkeit und Sicherheit stark übertrieben wurden.
Blaming the Brain" ist zum Teil Geschichte, zum Teil Wissenschaft, zum Teil Entlarvung und zum Teil Lösung. Es ist ein klarer Aufruf an unsere Kultur der schnellen pharmakologischen Lösungen und unsere zunehmende Abhängigkeit von Medikamenten als Allheilmittel für psychische Krankheiten. Dieses brillante, provokative Buch wird Patienten, Ärzte und Verordner gleichermaßen dazu zwingen, die Ursachen psychischer Erkrankungen und die Methoden, mit denen wir sie behandeln, zu überdenken.