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Selling Schweinfurt: Targeting Assessment and Marketing in the Air Campaign Against German Industry
In der Geschichte der Luftstreitkräfte wird häufig davon ausgegangen, dass die Kombinierte Bomberoffensive der Prüfstein für eine unabhängige Luftwaffe der Nachkriegszeit war. Unabhängig davon, ob die Strategischen Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten (USAAF) den Ansprüchen ihrer Zwischenkriegsdoktrin gerecht werden konnten oder nicht, stützten die alliierten Befehlshaber ihre rivalisierenden Ansätze für den Sieg in Europa auf ihre unterschiedlichen Ansichten über unabhängige Luftstreitkräfte.
Es gibt jedoch einen wesentlichen, jedoch übersehenen Aspekt dieser Geschichte: Die Überzeugungen der Befehlshaber allein konnten sich innerhalb des Kriegsministeriums nicht durchsetzen, geschweige denn in den politisch und bürokratisch aufgeladenen Sitzungen der Combined Chiefs of Staff. Die Befehlshaber der Luftstreitkräfte forderten von ihren Stäben entscheidungsrelevante Beurteilungen und fotografische Beweise, um ihre Argumente zu verkaufen und ihre Fortschritte darzustellen. Sie brauchten fundierte Zielpläne und objektive Berichte nach Angriffen sowie einen Luftnachrichtendienst, der allzu schnell aus der Vernachlässigung der Zwischenkriegszeit herauswachsen sollte.
Was sie erhielten - und Brian Vlaun erklärt - war eine Kollision von organisatorischen Interessen und Führungspersönlichkeiten, die Ira Eakers Kommando über die Eighth Air Force im Jahr 1943, die turbulente Luftkampagne über Deutschland und den Weg der US-Luftwaffe in der Nachkriegszeit prägten. Als Ergebnis seiner Recherchen in Tausenden von freigegebenen Akten untersucht Selling Schweinfurt die Beziehungen zwischen den Organisationen des Luftnachrichtendienstes und den wichtigsten Entscheidungsträgern.
Seine Analyse reicht von der Vorkriegsplanung und der Entwicklung von Doktrinen über die unabhängige Luftkampagne der Eighth Air Force bis hin zur Bildung der United States Strategic Air Forces und ihren Vorbereitungen auf die Invasion im Jahr 1944. Dieses Buch kommt zu dem Schluss, dass militärische Organisationen, wenn sie nicht kontrolliert werden, Symbole übernehmen und Behauptungen übertreiben können, um ihre eigenen Präferenzen zu rechtfertigen und ihre Ideen auf eine Weise zu vermarkten, die ihre optimistischen Annahmen verschleiert.
Im Fall der Luftkampagne gegen Deutschland dienten sowohl der viermotorige Bomber als auch spezielle Ziele - wie die Kugellager von Schweinfurt - als Symbole und mächtige Marketinginstrumente für die AAF bzw. die Luftaufklärung.