
Love of Self and Love of God in Thirteenth-Century Ethics
In diesem Buch behandelt Thomas M. Osborne, Jr. einen wichtigen, aber oft vernachlässigten Aspekt der mittelalterlichen Ethik, nämlich die Kontroverse darüber, ob es möglich ist, Gott allein durch natürliche Kräfte mehr zu lieben als sich selbst oder nicht. In der Debatte über dieses Thema haben Philosophen und Theologen des dreizehnten Jahrhunderts die Frage, wie das eigene Wohl durch tugendhaftes Handeln erreicht werden kann, auf hohem Niveau erforscht.
Die zentrale Frage für die mittelalterlichen Gelehrten war, wie die philosophischen Erkenntnisse des Aristoteles in einen christlichen Rahmen übertragen werden konnten. Für Christen war die Liebe zu Gott die zentrale ethische Pflicht. Die meisten Christen der Antike und des Mittelalters waren außerdem dem Eudämonismus verpflichtet, d. h. der Ansicht, dass das eigene Wohl immer durch tugendhaftes Handeln maximiert wird. Die Spannung zwischen diesen beiden Aspekten der christlichen Ethik erreichte ihren Höhepunkt in philosophischen Diskussionen über die Frage, ob man Gott von Natur aus mehr lieben kann als sich selbst. Osborne liefert eine Geschichte dieser Debatten, die auf einer genauen Analyse von Primärtexten beruht, klärt die Konzepte, die für das Verständnis des Eudaimonismus am wichtigsten sind, und argumentiert, dass der zentrale Unterschied zwischen den ethischen Theorien so großer Denker wie Thomas von Aquin und John Duns Scotus nicht in der Frage von Moral und Eigennutz liegt, sondern vielmehr in der Beziehung zwischen Ethik und natürlicher Neigung.
Die Argumente der Philosophen und Texte aus dem dreizehnten Jahrhundert, die in diesem Buch besprochen werden, haben wichtige Auswirkungen auf Naturrechtstheorien und Tugendethik und sind für das Verständnis des Übergangs zu modernen Moraltheorien von wesentlicher Bedeutung. Selbstliebe und Gottesliebe in der Ethik des dreizehnten Jahrhunderts wird für Philosophen und Theologen von unschätzbarem Wert sein, insbesondere für diejenigen, die sich mit mittelalterlicher Philosophie, Moralpsychologie, Ideengeschichte und Ethik beschäftigen.