
Sons of Saviors: The Red Jews in Yiddish Culture
Die Vorstellung von einem Stamm rotgesichtiger, rothaariger, rotbärtiger jüdischer Krieger in roter Kleidung, die angeblich in der Isolation am Rande der bekannten Welt lebten, macht die Roten Juden zu einem legendären Volk, das eine gemeinsame jüdisch-christliche Vorstellung bevölkerte. Tatsächlich aber ist die rote Variante der Zehn verlorenen Stämme Israels eine singuläre Erfindung der spätmittelalterlichen Volkskultur in Deutschland. Diese eigenwillige Figur und der eigentümliche Begriff "Rote Juden" existierten nur im Deutschen und Jiddischen, der deutsch-jüdischen Volkssprache. Diese beiden Sprachgemeinschaften bewerteten die Roten Juden unterschiedlich und bestritten ihre Bedeutung, d.h. sie sahen sie in verschiedenen Rottönen. Die Reise der roten Juden durch die jüdische und christliche Vorstellungswelt, von ihrer mittelalterlichen christlichen Entstehung über die frühneuzeitliche altjiddische Literatur bis hin zur modernen jiddischen Kultur in Osteuropa, Palästina und Amerika, ist die Geschichte dieses Buches.
Durch die Untersuchung dieser volkstümlichen Ikone trägt Rebekka Vo zu unserem Verständnis der Herausbildung eines Minderheitenbewusstseins und der Konstruktion einer aschkenasischen jüdischen Identität durch visuelle kulturelle Begegnungen bei. Sie beleuchtet auch die Vitalität der Volkskultur, indem sie aufzeigt, wie das vormoderne Motiv der roten Juden die moderne jiddische Literatur beeinflusste und wie das Stereotyp des jüdischen roten Haares seinen Weg in die jüdische Sozialkritik, das politische Denken und die Kunst bis in die Gegenwart fand.
Söhne der Retter ist eine Geschichte über Macht: Die jiddische Wiederaneignung der roten Juden untergräbt die christliche Farbsymbolik, indem sie den Fokus auf die Röte von einem negativen Stereotyp in ein stolzes Abzeichen der Selbstbehauptung verwandelt. Das Buch enthält in einem Anhang auch den vollständigen Text einer bedeutenden jiddischen Erzählung, in der der rote Jude vorkommt, übersetzt von der Autorin.