
Soldier and Peasant in French Popular Culture, 1766-1870
Das revolutionäre Frankreich hinterließ der modernen Welt das Konzept der „bewaffneten Nation“, ein starkes Gebräu aus Nationalismus, Militarismus und Republikanismus, verkörpert in der Figur des Wehrpflichtigen. Dieses Konzept wurde jedoch nicht von denjenigen geteilt, die am stärksten von der Wehrpflicht betroffen waren, nämlich der Bauernschaft.
In der volkstümlichen Kultur des ländlichen Frankreichs wurde der Soldat nicht als Repräsentant der Nation betrachtet, sondern eher als Vertreter einer anderen Lebensweise. Im besten Fall waren Soldaten „verlorene Söhne“, die ihr Leben in Ausschweifungen verbrachten; im schlimmsten Fall gehörten sie einer anderen Ethnie an, die mehr mit dem Adel als mit dem arbeitsamen Bauern gemein hatte. Dieses Buch konzentriert sich auf die militarisierten Grenzgebiete Ostfrankreichs und untersucht die Diskrepanz zwischen den patriotischen Erwartungen der Eliten und den in Volksliedern, Volksmärchen und volkstümlichen Bildern zum Ausdruck gebrachten Gefühlen, in denen Themen wie Sexualität, Gewalt und Abgrenzung eine viel größere Rolle spielten.
Der Autor verfolgt den Lebensweg des Soldaten vom unerfahrenen Rekruten bis zum ergrauten Veteranen, um zu zeigen, wie der bäuerliche Wehrpflichtige aus seinem früheren Leben herausgelöst und in militärischen Sitten umerzogen wurde (und wie seine Familie und Gemeinschaft auf diese Veränderung reagierten). Er zeigt auch, wie die französischen Behörden aus dem kulturellen Modell des Militärs der Bauern Kapital schlagen konnten.