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Soviet Samizdat: Imagining a New Society
Soviet Samizdat zeichnet die Entstehung und Entwicklung des Samizdat, eines der bedeutendsten und charakteristischsten Phänomene der späten Sowjetära, als unzensiertes System zur Herstellung und zum Austausch von Texten nach. Auf der Grundlage umfangreicher Recherchen zu den Untergrundzeitschriften, Bulletins, Kunstblättern und anderen Periodika, die in der Sowjetunion von Mitte der 1950er bis Mitte der 1980er Jahre produziert wurden, analysiert Ann Komaromi die Rolle des Samisdat bei der Förderung neuer Formen der imaginierten Gemeinschaft unter den Sowjetbürgern.
Dissidenz wurde als elitäres Phänomen oder als unbedeutend abgetan, da sie kaum nachweisbare Auswirkungen auf das sowjetische Regime hatte. Komaromi stellt diese Ansichten in Frage und zeigt, dass die Art der Vorstellung von sich selbst und der Gemeinschaft, die durch den Samizdat ermöglicht wurde, eine starke soziale Kraft sein konnte. Sie erklärt, warum die Teilnehmer an der Samizdat-Kultur so oft versuchten, den politischen vom kulturellen Samizdat zu trennen. Ihre Studie liefert eine umstrittene Dachdefinition für alle Formen des Samisdat im Sinne der Wahrheitserzählung und argumentiert, dass der Akt von sowjetischen Autoren und Lesern als transformativ erlebt wird. Dieses Argument wird Wissenschaftler auf diesem Gebiet herausfordern, auf Behauptungen zu reagieren, die sowohl anthropologischen als auch postmodernen Darstellungen zuwiderlaufen.
Komaromis Kombination aus literarischer Analyse, historischer Forschung und soziologischer Theorie macht das Phänomen des Samizdat für heutige Leser verständlich. Sowjetischer Samizdat zeigt, dass Samizdat nicht einfach ein Instrument der Opposition gegen ein untergegangenes Regime war. Vielmehr förderte der Samizdat informelle Wissensgemeinschaften, die ein ähnliches Phänomen vorwegnahmen: alternative Perspektiven, die die Autorität von Institutionen in der ganzen Welt in Frage stellen.