Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 6 Stimmen.
Socialist Heritage: The Politics of Past and Place in Romania
Mit dem Fokus auf Rumänien von 1945 bis 2016 untersucht Socialist Heritage den Versuch des sozialistischen Staates, sein eigenes Erbe zu schaffen, sowie das Erbe dieses Projekts. Entgegen der Behauptung, dass die sozialistischen Regime Mittel- und Osteuropas die Vorkriegsgeschichte der sozialistischen Städte auslöschen wollten, zeigt Emanuela Grama, dass der kommunistische Staat in Rumänien versuchte, die Vergangenheit zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen.
Das Buch zeichnet den Wandel eines zentralen Stadtteils von Bukarest, der Altstadt, von einem sozial und ethnisch vielfältigen Ort im frühen 20. Jahrhundert zu einem Inbegriff der nationalen Geschichte im Sozialismus und dann, seit den 2000er Jahren, zum historischen Zentrum einer europäischen Hauptstadt nach. Im Sozialismus nutzten Politiker und Fachleute die historischen Gebäude des Viertels, insbesondere die in den 1950er Jahren entdeckten Ruinen eines mittelalterlichen Palastes, um die rumänische Vergangenheit der Stadt zu betonen und ihre ethnisch vielfältige Geschichte auszulöschen.
Seit dem Zusammenbruch des Sozialismus ist der kulturelle und wirtschaftliche Wert der Altstadt stark umstritten. Die Bukarester Mittelschicht betrachtet das Viertel als einen Ort verlockender Übertretungen.
Die armen Bewohner beklagen ihre halb verfallenen Häuser, während Unternehmer und Politiker die Altstadt als eine Quelle des leichten Geldes betrachten. Solche Argumente verweisen auf die jüngsten Verhandlungen über die Bedeutung von Klasse, politischer Teilhabe und ethnischer und wirtschaftlicher Zugehörigkeit im heutigen Rumänien.
Gramas reichhaltige historische und ethnografische Forschungen offenbaren den grundlegend doppelten Charakter des Erbes: Jede Suche nach einer idealisierten Vergangenheit beruht auf Strategien der Abgrenzung, die zu weiterer Marginalisierung und Ausgrenzung führen können.