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Speaking in Tongues
Das Sprechen in Zungen, auch Glossolalie genannt, wird in vielen verschiedenen Religionen der Welt praktiziert. Von einigen Beobachtern als bedeutungsloses Kauderwelsch abgetan, war es bisher nur Gegenstand einiger weniger fragmentarischer Studien.
Die Arbeit von Felicitas D. Goodman stellt die erste kulturübergreifende Analyse dieses rätselhaften Verhaltens dar, und sie bringt in ihre Forschung einen umfassenden Hintergrund in Linguistik und Anthropologie ein. Dr.
Goodman lebte unter anderem in apostolischen Gemeinden in Mexiko-Stadt, in Yucatan bei Maya-Indianern und besuchte eine Gemeinde in Hammond, Indiana.
Ihre Beobachtungen wurden in einer bemerkenswerten Sammlung von Tonaufnahmen und Filmen festgehalten. In diesem Buch präsentiert sie eine Auswahl von Bekehrungsgeschichten, die die Persönlichkeitsstruktur und die Erfahrungen der Sprecher hervorheben.
Eine detaillierte Analyse der phonologischen und suprasegmentalen Merkmale der aufgenommenen Äußerungen zeigt eine überraschende kulturübergreifende Übereinstimmung. Dies veranlasste Goodman zu der Annahme, dass Glossolalisten so sprechen, wie sie es tun, weil ihr Sprachverhalten in einem bestimmten mentalen Zustand, der oft als Trance bezeichnet wird, in den sie sich versetzen, verändert wird. Vor diesem Hintergrund wird die glossolalische Äußerung als Artefakt eines hyperaroused mentalen Zustands betrachtet, oder, in Chomskyan'schen Begriffen, als Oberflächenstruktur einer nicht-linguistischen Tiefenstruktur, nämlich des veränderten Bewusstseinszustands.
Goodman beschreibt den hyperaroused mentalen Zustand als neurophysiologisches Phänomen sowie die damit verbundenen Bewegungsmuster und die Probleme beim Aufwachen aus diesem Zustand. Goodmans diachroner Ansatz lieferte ebenso überraschende Daten über die Veränderungen und das Abklingen des Verhaltens im Laufe der Zeit. Aber, wie sie anmerkt, haben wir kaum den Rand eines sehr großen Forschungsgebiets berührt.
Ihre faszinierende Studie eröffnet den Anthropologen eine Reihe neuer Forschungsmöglichkeiten, wie etwa die Untersuchung physiologischer Zustände, die sprachliches und rituelles Verhalten begleiten.