
Tamizdat: Contraband Russian Literature in the Cold War Era
Tamizdat erzählt die alte Geschichte des Kalten Krieges aus einer neuen Perspektive: durch die Geschichte der geschmuggelten Manuskripte, die aus der ehemaligen UdSSR in den Westen geschickt wurden. Tamizdat ist ein Wort, das so viel bedeutet wie "dort veröffentlichen". Tamizdat-Manuskripte wurden in der Sowjetunion abgelehnt, zensiert oder nie zur Veröffentlichung eingereicht und über verschiedene Kanäle ins Ausland geschmuggelt und gedruckt, mit oder ohne Wissen ihrer Autoren. Yasha Klots zeigt, wie Tamizdat zur Bildung des russischen Literaturkanons des 20. Jahrhunderts beitrug: Die meisten zeitgenössischen russischen Klassiker erschienen zuerst im Ausland, lange bevor sie in Russland veröffentlicht wurden.
Bei der Untersuchung von Erzählungen über den Stalinismus und den Gulag konzentriert sich Klots auf geschmuggelte Manuskripte aus den 1960-70er Jahren, von Chruschtschows Tauwetter bis zur Stagnation unter Breschnew. Klots revidiert die traditionelle Vorstellung von der späten sowjetischen Kultur als binäre Opposition zwischen dem Untergrund und dem offiziellen staatlichen Verlagswesen. Er zeigt, dass der Tamizdat zwar ein alternatives Feld kultureller Produktion in Opposition zum sowjetischen Regime und dem Dogma des sozialistischen Realismus darstellte, aber nicht frei von Hierarchie, ideologischer Agenda und sogar Zensur war.
Tamizdat ist eine Kulturgeschichte der russischen Literatur außerhalb des Eisernen Vorhangs. Die russische literarische Diaspora war das unverzichtbare Ökosystem für diese Werke. Doch in den Jahren nach Stalin dienten sie auch als mächtige Waffe an den kulturellen Fronten des Kalten Krieges, indem sie die geografische, stilistische und ideologische Kluft zwischen zwei unterschiedlichen, aber untrennbar miteinander verflochtenen Bereichen der russischen Literatur - dem einen im Inland und dem anderen im Ausland - offen legten.