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Dew in the Morning
Tau am Morgen wurde geschrieben, als die Autorin, Shimmer Chinodya, achtzehn Jahre alt war. Die Intensität der Kindheitserinnerung ist scharf und unmittelbar. Godi, der Junge, dessen Leben wir beim Heranwachsen miterleben, nimmt mehr wahr, als er versteht. Die Ambivalenz oder Instabilität des Textes liegt an der Schnittstelle zwischen der gefühlten Erfahrung des Kindes und der rationalen, interpretierenden Analyse des Erwachsenen.
Als Bildungsroman fängt Chinodya die zentrale Bedeutung des Landes für das nationale Bewusstsein ein: seine Schönheit, seine Rhythmen, seine Jahreszeiten und seine Fruchtbarkeit. Aber er romantisiert nicht die Härten: Dürren, Missernten, Überbevölkerung - vor allem durch den Zustrom von Umsiedlern - und die Spannungen um Land und zwischen den Völkern im Kampf ums Überleben. Gute Laune, strenge Moral, harte Arbeit und gegenseitige Unterstützung können durch korrupte Praktiken untergraben oder durch traditionelle Zeremonien verdorben werden, die ebenso erschreckend wie mächtig sind und grundlegende Fragen des Glaubens und der Gültigkeit aufwerfen.
Tau am Morgen ist ein zärtlicher, stimmungsvoller Roman über das Erwachsenwerden, in dem jedoch bereits viele Themen anklingen, mit denen sich Chinodya in seinen späteren Romanen beschäftigen wird: familiäre Spannungen, das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne, der Glaube der Vorfahren und das Christentum.