
Textures of Mourning, 84: Calligraphy, Mortality, and the Tale of Genji Scrolls
Wie wird die japanische visuelle Kultur durch die Trauer neu geformt? Textures of Mourning geht dieser Frage nach, indem es fesselnde literarische und visuelle Darstellungen des Todes und seiner Nachwirkungen aus dem Märchen von Genji und seinen Adaptionen untersucht. Reginald Jackson vertritt die These, dass sich die Trauerarbeit durch miteinander verwobene Praktiken des Lesens, Schreibens, Malens und der öffentlichen Ausstellung entfaltet, und zeigt auf, wie die Trauer die künstlerische Komposition anregt, viszerale Reaktionen auslöst und die Zuschauer sowohl im vormodernen als auch im zeitgenössischen Japan verführt.
Textures of Mourning beschreibt die innige Beziehung zwischen Trauer und Lektüre an drei historischen Wendepunkten: dem Höhepunkt der kaiserlichen Macht im frühen elften Jahrhundert, als das literarische Meisterwerk The Tale of Genji (1008) geschrieben wurde; dem Zusammenbruch der kaiserlichen Hegemonie im späten zwölften Jahrhundert, als Genjis berühmteste Handrollenadaption entstand (1150); und dem Kontext der Rezession nach der Blasenbildung, in dem diese Handrollen als "Wiederauferstandene Genji-Handrollen" (2006) neu gestaltet wurden. Als materielle Objekte, die in vergleichbaren Momenten sozialer Umwälzungen entstanden sind, werden diese Texte zu Vehikeln, mit denen man untergegangene Ideale von Vitalität, Wohlstand und Zugehörigkeit betrauert. Textures of Mourning ist das erste vollständige Manuskript in englischer Sprache, das die komplexe Beziehung dieser Texte über Epochen hinweg untersucht.
Durch die Analyse Dutzender prächtiger Bilder verfolgt das Buch die Entwicklung der Sterblichkeit in vier Abschnitten - "Dying", "Decomposing", "Mourning" und "Resurrecting" -, die jeweils faktische und fiktionale Berichte über die Abrechnung mit dem Tod kontextualisieren, um die Mechanismen der Trauerarbeit zu erkennen. Ein wichtiges Anliegen des Buches ist es, zu theoretisieren, wie die fesselnde Undurchsichtigkeit, die grobe Materialität und die verzerrte Zeitlichkeit vormoderner Formen moderne Regime des Sehens, Fühlens und Wissens stören.
Das Buch stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse der vormodernen japanischen Literaturwissenschaft, der Kunstgeschichte und der Performancestudien. Die innovativen transdisziplinären Lesarten des Buches orientieren die psychoanalytische Kritik und die Performancetheorie neu, um die fluktuierende Topographie kalligrafischer Gesten zu kartieren.