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Theodicy and Spirituality in the Fourth Gospel: A Girardian Perspective
Daniel DeForest London argumentiert, dass das vierte Evangelium eine potenziell transformative Antwort auf die Frage des Leidens und den menschlichen Zwang zur Schuldzuweisung bietet. Auf der Grundlage seiner Lektüre von Johannes 9 (der blind geborene Mann) argumentiert London, dass das Evangelium keine Theodizee, sondern vielmehr eine theodizeeische Spiritualität anbietet, eine Erfahrung des Betens der Frage des Leidens und des Offenbleibens für eine göttliche Antwort.
London zeigt, wie die Antwort des johanneischen Jesus drei dichotomische Symbolgruppen (Tag/Nacht, Vision/Blindheit, Schaf/Wolf) darstellt, die jeweils durch ein anderes, zentrales Symbol (Licht, Richter, Hirte) unterlaufen werden. Indem er diese Symbole im Lichte der mimetischen Theorie interpretiert, argumentiert er, dass Jesu Antwort den Sündenbock-Mechanismus offenbart, bei dem ein unschuldiges Opfer von gewalttätigen Tätern beschuldigt wird.
Anstatt jedoch den Opfern die Schuld zu geben, fährt Jesus fort, sich auf die Figuren einzulassen, die als Schurken erscheinen: Das Licht der Welt verwandelt Nacht und Tag in einen einzigen Tag; der Gute Hirte nimmt Schafe und Wölfe in seine geliebte Herde auf. Auf diese Weise sind die Leser eingeladen, dem johanneischen Jesus ihre eigene Gewalt, ihren Groll und ihre wölfische Wut in Bezug auf die Frage des Leidens entgegenzubringen und die theodizeeische Spiritualität des vierten Evangeliums zu erleben.