
Transnational Coupling in the Age of Nation Making During the 19th and 20th Centuries
Transnational Coupling in the Age of Nation Making during the 19th and 20th Centuries befasst sich mit Eheschließungen, die nationale, kulturelle und sprachliche Grenzen überschreiten. Es geht um die Bildung von transnationalen Familien und transnationalen Räumen. Und schließlich, weil das historische Konzept der transnationalen Ehe ein einzigartiges Prisma bietet, durch das die Verflechtung von Gesellschaften an ihren intimsten kulturellen Schnittstellen betrachtet werden kann, befasst es sich mit den langjährigen, komplexen kulturellen Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten während des 19. und 20.
In dem Bemühen, nicht nur zu ergründen, warum es zu französisch-amerikanischen Ehen kam, sondern auch, wie und warum sich die Dynamik, die sie hervorbrachte, im Laufe der Zeit veränderte, werden in dieser Arbeit zwei transnationale Heiratsmuster in unterschiedlichen historischen Kontexten untersucht und verglichen: das erste, als wohlhabende amerikanische Erbinnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts französische Aristokraten heirateten - eine Zeit, die durch relativ freie transatlantische Zirkulation und Mobilität gekennzeichnet war -, und das zweite, als die Grenzen weitaus fester waren - während der Weltkriege, als französische Frauen Eheverträge mit amerikanischen Soldaten eingingen.
Das Ziel dieser Arbeit ist ein zweifaches. In dem Bemühen, neue Analysekategorien bereitzustellen, die die menschliche Erfahrung in eine breitere, globalere Perspektive rücken, soll erstens gezeigt werden, wie Konzepte der transnationalen Heirat und des Werbens es dem Historiker ermöglichen, über den analytischen Rahmen der nationalen Geschichte hinauszugehen, indem sie den Forscher zwingen, die Art und Weise, wie man über Familienbildung und die Durchlässigkeit nationaler Grenzen während dieser verschiedenen Phasen des nationalen Projekts denkt, zu überdenken. Zweitens sollen die Annahmen in Frage gestellt werden, die den bestehenden historiografischen Erklärungen zugrunde liegen, dass diejenigen, die nationale Grenzen überquerten, um sich zu paaren oder zu heiraten, dies aus rein sozioökonomischen Gründen taten. Nicole Leopoldie vertritt die Auffassung, dass solche Rationalisierungen einfach zu eng gefasst sind und dass an der Schnittstelle von interkultureller Begegnung und transnationaler Verbindung eine zutiefst emotionale Erfahrung stand. Daher müssen sowohl die kulturellen als auch die emotionalen Beweggründe, die immer im Hintergrund standen, stärker in die Analyse einbezogen werden.
Da die sozialen Praktiken des Werbens und Heiratens zu Mechanismen wurden, durch die Grenzen überschritten und neue kulturelle Räume geschaffen wurden, stellen sie wichtige Elemente der transnationalen Verflechtungen dar. Daher wird in dieser Arbeit nicht die Heiratsmotivation aus der Perspektive der einen oder anderen Gesellschaft untersucht, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Muster transnationaler Ehen aus sozialen Räumen der kulturübergreifenden Begegnung zwischen den beiden Gesellschaften entstanden sind. Um die transnationalen Räume, in denen Ehen im 19. und 20. Jahrhundert entstanden, zu identifizieren, zu kartieren und zu analysieren, stützt sich diese Arbeit auf Beschreibungen sozialer Ereignisse in der französischen und amerikanischen Presse, Reiseliteratur, persönliche Berichte und Gästelisten. Indem sie untersuchen, wo und wie sich Paare trafen und umeinander warben, geben diese Quellen nicht nur einen wichtigen Einblick in transnationale soziale Netzwerke und kulturelle Rituale, sondern auch in die Art und Weise, wie die Heiratsteilnehmer diese Räume wahrnahmen, erlebten und interpretierten. In dieser räumlichen Untersuchung werden Emotionen als Analysekategorie und nicht als narratives Mittel eingesetzt, um zu zeigen, wie komplexe kulturelle Bedeutungen innerhalb transnationaler Räume von den Teilnehmern an transnationalen Ehen auf persönlicher Ebene erlebt wurden.
Da sich eine Vielzahl von Emotionen sowohl in der Begegnung mit dem "Anderen" als auch in dessen Darstellung manifestierte, schlägt Leopoldie vor, das Anderssein nicht nur als einen kulturellen, sondern auch als einen emotionalen Prozess zu betrachten. Anhand französischer und amerikanischer literarischer Werke, Reiseliteratur und persönlicher Berichte in unveröffentlichten und veröffentlichten Memoiren, Briefen und Interviews, die von zeitgenössischen Journalisten und mündlichen Historikern zusammengetragen wurden, argumentiert sie, dass die Teilnehmer an einer Heirat nach beiden Mustern die nationalen und kulturellen Grenzen, die sie trennten, zwar auf sehr unterschiedliche Weise wahrnahmen, dass die Anziehungskraft von Begriffen des Anderen jedoch wichtige emotionale Reaktionen hervorrief und in beiden historischen Kontexten weitgehend die treibende Kraft von Heirats- und Paarungsprozessen blieb. Durch die Teilnahme an einer transnationalen Ehe banden sich die Teilnehmer nicht nur an ihren Ehepartner, sondern auch an dessen Kultur. Die Beweggründe für eine transnationale Heirat waren daher nach wie vor strategisch, basierten aber weitgehend auf vorgefassten Meinungen darüber, was die andere Kultur zu sein schien.