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Indecorous Thinking: Figures of Speech in Early Modern Poetics
Indecorous Thinking ist eine Studie über den Kunstgriff in seiner auffälligsten Form: Es wird argumentiert, dass frühneuzeitliche Schriftsteller sich Sprachfiguren wie Gleichnis, Antithese und Periphrase als Instrumente einer besonderen Art des Denkens zuwandten, die dem aufkommenden Feld der vernakulären Poesie eigen war. Das klassische Ideal des decorum beschrieb die Abwesenheit von sichtbarer Kunst als Voraussetzung für Rhetorik, Staatsbürgerkunde und Schönheit: Gut zu sprechen bedeutete, wie aus dem Stegreif zu sprechen.
Gegen dieses Ideal argumentiert Rosenfeld, dass einer der reichsten Beiträge der frühneuzeitlichen Literatur zur Poetik in der Idee besteht, dass unschickliche Kunst - Kunstwerke, die mit den Glocken und Pfeifen der Ornamentik erklingen - das Handwerk der Poesie feiert, während sie gleichzeitig die Bandbreite der Aktivitäten der Poesie erweitert. Rosenfeld beschreibt ein verlorenes Erbe des Humanismus, das zu den gegenwärtigen Debatten über das einzigartige, aber zutiefst ambivalente Engagement der Literaturwissenschaft für die Form beiträgt. Die Form, so argumentiert sie, muss durch das Erbe der Figur neu untersucht werden.
Anhand der Gedichte von Philip Sidney, Edmund Spenser und Mary Wroth sowie der pädagogischen Debatten jener Zeit und der Entstehung des Empirismus, der sich dem schlichten Stil verschrieben hat, bietet Rosenfeld eine solide Darstellung der Triumphe und Peinlichkeiten, die mit der auffälligen Zurschaustellung von Kunstfertigkeit einhergingen. Indem er einen weiten Bogen über die Künste der Rhetorik, Dialektik und Poetik spannt, verteidigt er den erkenntnistheoretischen Wert der Form: nicht als Zeichen des Ästhetischen, sondern als Quelle einer bestimmten Art von Wissen, das wir poetisch nennen könnten.