Bewertung:

Das Buch von Cathy Caruth gilt als ein bedeutendes Werk auf dem Gebiet der Traumastudien, das theoretische Erkenntnisse mit literarischer Analyse verbindet. Es bietet eine akademische Perspektive auf das Trauma und betont dessen historische und ethische Dimensionen. In Rezensionen werden jedoch einige Kritikpunkte hervorgehoben, die sich auf die Abhängigkeit von bestimmten Theoretikern, den vermeintlich fehlenden klinischen Bezug und die Wiederholung von Konzepten im Text beziehen.
Vorteile:⬤ Bietet tiefe theoretische Einblicke in die Traumatologie.
⬤ Kombiniert literarische Analyse mit psychoanalytischer Theorie.
⬤ Gilt als unverzichtbare Lektüre für die Traumaforschung in den Geisteswissenschaften.
⬤ Gelobt für seinen einnehmenden Schreibstil und seine Eloquenz.
⬤ Trägt wesentlich zu einem besseren Verständnis von Trauma-Erzählungen bei.
⬤ Einige Rezensenten fanden die akademische Erzählung dicht und unzugänglich.
⬤ Kritik an Caruths Auslassung bestimmter zeitgenössischer Traumaforschung aus Psychiatrie und Neurowissenschaften.
⬤ Vorwürfe, wichtige Theoretiker wie Freud zu argumentativen Zwecken falsch zitiert zu haben.
⬤ Wiederholungen von Konzepten in verschiedenen Kapiteln, was zu einem Mangel an Klarheit führt.
⬤ Es wird als ideologisch voreingenommen und ohne empirische medizinische Belege wahrgenommen.
(basierend auf 11 Leserbewertungen)
Unclaimed Experience: Trauma, Narrative, and History
In Unclaimed Experience schlägt Cathy Caruth vor, dass wir in der weit verbreiteten und verwirrenden Erfahrung des Traumas in unserem Jahrhundert - sowohl in seinem Auftreten als auch in unserem Versuch, es zu verstehen - die Möglichkeit einer Geschichte erkennen können, die nicht mehr auf einfachen Modellen direkter Erfahrung und Referenz beruht. Durch den Begriff des Traumas, so behauptet sie, gelangen wir zu einem neuen Verständnis, das es uns erlaubt, Geschichte dort entstehen zu lassen, wo ein unmittelbares Verständnis nicht möglich ist.
Caruth untersucht die Art und Weise, wie die Texte der Psychoanalyse, der Literatur und der Literaturtheorie über die tiefe Geschichte der traumatischen Erfahrung sprechen und durch sie sprechen. Anstatt direkt Fallstudien von Traumaüberlebenden zu beschreiben oder zu versuchen, die Psychiatrie des Traumas direkt zu erklären, untersucht sie die komplexen Wege, auf denen Wissen und Nichtwissen in der Sprache des Traumas und in den damit verbundenen Geschichten verwoben sind. Caruths weitreichende Diskussion berührt Freuds Traumatheorie, wie sie in Moses and Monotheism und Beyond the Pleasure Principle dargelegt ist. Sie zeichnet den Begriff der Referenz und die Figur des fallenden Körpers bei de Man, Kleist und Kant nach.
Die Erzählungen von der persönlichen Katastrophe in Hiroshima mon amour.
Und die traumatische Adresse in Lecomptes Neuinterpretation von Freuds Erzählung vom Traum des brennenden Kindes.
In dieser zwanzigjährigen Jubiläumsausgabe ihres mittlerweile klassischen Textes wird in einem umfangreichen neuen Nachwort auf wichtige Fragen und Kontroversen rund um die Traumatheorie eingegangen, die in den letzten zwei Jahrzehnten aufgekommen sind. Caruth bietet innovative Einblicke in die inhärente Verbindung zwischen individuellem und kollektivem Trauma, in die Bedeutung der politischen und ethischen Dimensionen der Traumatheorie und in den entscheidenden Platz der Literatur in der theoretischen Artikulation des Traumabegriffs selbst. Ihr Nachwort ist ein entscheidender Beitrag zu den laufenden Diskussionen in und über das Feld.