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Behavioral Economics and Nuclear Weapons
Jüngste Entdeckungen in der Psychologie und den Neurowissenschaften haben unser Verständnis dafür verbessert, warum unsere Entscheidungsprozesse nicht den üblichen sozialwissenschaftlichen Annahmen über Rationalität entsprechen. Wie Forscher wie Daniel Kahneman, Amos Tversky und Richard Thaler gezeigt haben, weichen Menschen aufgrund des Einflusses von Emotionen, kognitiven Verzerrungen, einer Abneigung gegen Verluste und anderen starken Motivationen und Werten oft systematisch von den Vorhersagen des Modells des rationalen Akteurs des klassischen ökonomischen Denkens ab.
Diese Erkenntnisse über die Grenzen der Rationalität bilden die Grundlage der Verhaltensökonomie, eines Ansatzes, der in den letzten Jahren große Beachtung gefunden hat. Diese Aufsatzsammlung wendet die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie auf die Untersuchung der Kernwaffenpolitik an. Die Verhaltensökonomie vermittelt uns ein genaueres Bild davon, wie Menschen denken und wie sie folglich Entscheidungen über den Erwerb oder den Einsatz von Atomwaffen treffen.
Solche Entscheidungen werden unter realen Bedingungen getroffen, in denen rationale Kosten-Nutzen-Kalkulationen mit komplizierten Emotionen verwoben sind und menschlichen Grenzen unterliegen. Strategien zur nuklearen Abschreckung und Nichtverbreitung sollten daher, so die Autoren, diese Dynamik systematisch berücksichtigen.
Die Autoren dieses Sammelbandes untersuchen, wie ein verhaltenswissenschaftlicher Ansatz unser Verständnis von Themen wie Abschreckung, Wirtschaftssanktionen, dem nuklearen Nichtverbreitungsregime und den inneramerikanischen Debatten über die Abwehr ballistischer Raketen beeinflussen kann. Die Aufsätze weisen auch auf die Grenzen eines verhaltenswissenschaftlichen Ansatzes hin, wenn es um Situationen geht, in denen schon eine einzige Abweichung von den Vorhersagen eines Modells fatale Folgen haben kann.